Die Vorstellung, dass eine erwachsene Frau ihre eigene Sexualität nicht nur privat erlebt, sondern sich auch vorstellen kann, intime Aufnahmen von sich selbst zu erstellen, ist keineswegs so ungewöhnlich, wie man zunächst denken könnte. Besonders interessant wird dieses Thema bei Frauen, die mit 24 Jahren oder später noch Jungfrau sind. Denn Jungfräulichkeit bedeutet keineswegs, dass eine Frau keine sexuelle Neugier, Fantasien oder Erfahrungen mit dem eigenen Körper besitzt.
Eine solche Frau kann sehr wohl sexuelle Fantasien haben, masturbieren, Pornografie konsumieren und sich fragen, wie es wäre, ihre eigene Sexualität auf Bildern oder Videos festzuhalten.
Warum könnte eine Frau überhaupt solche Fantasien entwickeln?
Ein möglicher Grund ist Neugier auf sich selbst.
Eine Frau kann ihren Körper kennenlernen und irgendwann feststellen, dass sie sich selbst gerne betrachtet. Für manche Menschen ist es interessant, die eigene Entwicklung, das eigene Aussehen oder die eigene Sexualität aus einer anderen Perspektive wahrzunehmen.
Bei einer 24-jährigen Jungfrau kann außerdem ein besonderer psychologischer Faktor hinzukommen: Sie besitzt möglicherweise bereits eine lange Geschichte sexueller Fantasien, aber noch keine vergleichbare Erfahrung mit einem Partner.
Dadurch kann die eigene Fantasiewelt sehr ausgeprägt sein.
Die Frau kennt Sexualität vielleicht aus Pornografie, Geschichten, sozialen Medien oder Gesprächen mit Freundinnen. Gleichzeitig fehlt ihr die persönliche Erfahrung einer sexuellen Beziehung.
Das bedeutet jedoch nicht, dass sie „unerfahren“ in jedem Bereich ihrer Sexualität ist.
Pornografie kann eine Rolle spielen
Forschung aus Deutschland zeigt, dass Pornografiekonsum bei jungen Frauen keineswegs unbekannt ist. In einer Untersuchung deutscher Medizinstudentinnen hatten 71,7 % bereits irgendwann pornografisches Material konsumiert. Etwa ein Drittel hatte in den vier Wochen vor der Befragung Pornografie konsumiert.
Interessant ist außerdem, dass Pornografie bei einem Teil der Frauen als Inspiration für die eigene Sexualität beschrieben wurde.
Das bedeutet nicht, dass Pornografie automatisch bestimmte Wünsche erzeugt.
Vielmehr kann ein Wechselspiel entstehen:
Neugier → Fantasie → Pornografie → neue Vorstellungen → weitere Neugier.
Eine Frau, die bereits bestimmte Fantasien besitzt, sucht möglicherweise gezielt Inhalte, die zu diesen Vorstellungen passen. Umgekehrt kann sie durch neue Inhalte auf Ideen stoßen, über die sie vorher nie nachgedacht hat.
Warum könnte gerade eine Jungfrau darüber nachdenken?
Eine mögliche Erklärung ist die fehlende reale Erfahrung.
Wenn eine Frau bisher keinen Partnersex erlebt hat, kann sie sich stärker auf ihre eigene Fantasiewelt konzentrieren. Sie muss ihre Wünsche nicht unbedingt gemeinsam mit einem Partner entdecken.
Stattdessen kann sie zunächst herausfinden:
- Was finde ich attraktiv?
- Welche Situationen interessieren mich?
- Wie möchte ich wahrgenommen werden?
- Welche Art von Aufmerksamkeit gefällt mir?
- Wie selbstbewusst fühle ich mich mit meinem Körper?
Eine intime Aufnahme kann in der Fantasie deshalb auch weniger mit dem eigentlichen sexuellen Akt zu tun haben und mehr mit Selbstdarstellung, Neugier und dem Wunsch, begehrt zu werden.
Mit einem Freund oder Partner teilen
Eine weitere Fantasie besteht darin, intime Aufnahmen mit einer Person zu teilen, der man vertraut.
Psychologisch ist das etwas anderes als die Vorstellung, solche Inhalte öffentlich zu machen.
Bei einem Partner kann der Gedanke im Mittelpunkt stehen:
„Ich möchte, dass dieser Mensch eine private Seite von mir sieht.“
Das kann mit Vertrauen, Intimität und dem Wunsch nach Anerkennung verbunden sein.
Gerade für eine Frau ohne bisherige sexuelle Beziehung könnte eine solche Fantasie interessant sein, weil sie eine Form von Intimität darstellt, ohne dass sie bereits eine umfangreiche gemeinsame sexuelle Geschichte mit einem Partner benötigt.
Die Vorstellung, einen Freund einzuweihen
Auch eine enge Freundschaft kann in solchen Fantasien vorkommen.
Dabei muss es nicht unbedingt um eine tatsächliche sexuelle Beziehung gehen. Manchmal ist die Vorstellung interessant, weil ein Freund bereits Vertrauen und Vertrautheit repräsentiert.
Eine Frau könnte sich fragen, wie eine Person, die sie gut kennt, ihre intime Seite wahrnehmen würde.
Das kann mit dem Wunsch nach Bestätigung verbunden sein:
„Findet mich dieser Mensch attraktiv?“
Dieser Wunsch nach Bestätigung ist ein wichtiger Bestandteil menschlicher Sexualität und nicht automatisch ein Zeichen für übermäßigen Pornografiekonsum.
Und was ist mit einem Fremden?
Hier wird die Fantasie psychologisch besonders interessant.
Die Vorstellung, dass ein unbekannter Mensch intime Inhalte sieht, kann für manche Frauen mit Anonymität, Abenteuer oder dem Gefühl verbunden sein, eine bisher verborgene Seite der eigenen Persönlichkeit zu zeigen.
Der Fremde ist dabei häufig weniger eine konkrete Person als eine Projektionsfläche.
Er kann für Aufmerksamkeit, sexuelles Interesse oder eine völlig neue soziale Rolle stehen.
Das bedeutet aber nicht automatisch, dass eine Frau tatsächlich einem unbekannten Menschen private Aufnahmen schicken möchte.
Die Grenze zwischen Fantasie und realem Verhalten ist entscheidend.
Sind solche Frauen besonders stark von Pornografie beeinflusst?
Nicht unbedingt.
Eine Frau kann Pornografie häufig konsumieren und trotzdem sehr konservative Vorstellungen über ihre eigene Sexualität besitzen.
Umgekehrt kann eine Frau wenig Pornografie sehen und dennoch sehr ausgeprägte Fantasien entwickeln.
Eine deutsche Untersuchung zu Pornografie und Sexualfantasien zeigte ausdrücklich, dass die Inhalte, die Menschen in Pornografie interessant finden, nicht automatisch dem entsprechen, was sie selbst im realen Leben ausprobieren möchten. Gerade bei ungewöhnlicheren Inhalten war diese Diskrepanz deutlich.
Das ist entscheidend.
Eine Fantasie ist kein Vertrag mit der Realität.
Eine 24-jährige Jungfrau kann trotzdem eine sehr aktive Sexualität besitzen
Das vielleicht wichtigste Missverständnis besteht darin, Jungfräulichkeit mit sexueller Unwissenheit gleichzusetzen.
Eine 24-jährige Jungfrau kann:
- ihren Körper sehr gut kennen,
- regelmäßig masturbieren,
- sexuelle Fantasien haben,
- Pornografie kennen,
- Männer attraktiv finden,
- sich eine Beziehung wünschen,
- intime Situationen imaginieren,
- über ihre eigene sexuelle Darstellung nachdenken.
Ihre fehlende Partnererfahrung ist lediglich ein Teil ihrer Biografie.
Die deutsche Forschung zur weiblichen Masturbation zeigt, wie verbreitet sexuelle Selbststimulation unter Frauen ist. In einer Studie mit 425 Frauen hatten 94,5 % mindestens einmal masturbiert; viele berichteten regelmäßige Masturbation.
Was sagt eine solche Fantasie über den Charakter einer Frau aus?
Wenig – und genau das macht das Thema interessant.
Eine Frau, die sich vorstellen kann, intime Aufnahmen von sich selbst zu erstellen, ist nicht automatisch exhibitionistisch, promiskuitiv oder besonders pornografieorientiert.
Sie könnte einfach neugierig sein.
Sie könnte ihren Körper mögen.
Sie könnte Aufmerksamkeit genießen.
Sie könnte experimentierfreudig sein.
Sie könnte sich nach Bestätigung sehnen.
Oder sie könnte lediglich eine Fantasie haben, die niemals umgesetzt wird.
Ebenso kann eine Frau mit sehr konservativem Auftreten ähnliche Gedanken besitzen, ohne dass irgendjemand in ihrem Umfeld davon weiß.
Der vielleicht interessanteste Zusammenhang
Bei einer 24-jährigen Jungfrau können mehrere Faktoren gleichzeitig existieren:
späte sexuelle Erfahrung + starke Neugier + Masturbation + Pornografie + Fantasie + Wunsch nach Bestätigung.
Diese Kombination kann eine sehr aktive innere Sexualität hervorbringen, obwohl äußerlich bisher wenig passiert ist.
Das ist kein Widerspruch.
Im Gegenteil: Gerade der Abstand zwischen innerer Fantasie und äußerer Erfahrung kann die sexuelle Vorstellungskraft besonders interessant machen.
Fazit
Eine erwachsene Jungfrau, die sich gelegentlich vorstellt, intime Aufnahmen von sich selbst zu erstellen oder mit einer vertrauten Person zu teilen, ist nicht automatisch „extrem“ oder besonders stark von Pornografie beeinflusst.
Es kann Ausdruck von Neugier, Selbstentdeckung, Selbstbewusstsein, dem Wunsch nach Anerkennung oder schlicht einer privaten Fantasie sein.
Bei einer 24-jährigen Jungfrau kann diese Fantasiewelt besonders ausgeprägt sein, weil sexuelle Gedanken und Selbstentdeckung bereits lange vor der ersten partnerschaftlichen Erfahrung stattfinden können.
Der wichtigste wissenschaftliche Punkt bleibt deshalb:
Jungfräulichkeit beschreibt, was eine Frau bisher mit einem Partner erlebt hat – nicht, was in ihrem Kopf, in ihren Fantasien oder in ihrer persönlichen Sexualität passiert.
Und genau deshalb kann eine Frau, die nach außen sehr unerfahren wirkt, innerlich eine ausgesprochen komplexe und vielfältige Vorstellung von ihrer eigenen Sexualität entwickelt haben.