Betrügen Jungfrauen ihren Freund aus sexuellem Frust? Eine wissenschaftliche Betrachtung von Beziehungsdauer, unerfülltem Verlangen und weiblicher Sexualität

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Die Frage, ob Frauen, die lange Jungfrau geblieben sind, ihren Partner wegen fehlender oder unbefriedigender Sexualität betrügen, berührt einen besonders interessanten Bereich der Beziehungs- und Sexualforschung. Dahinter steht eine konkrete Hypothese: Wenn eine Frau über lange Zeit auf Sexualität gewartet hat und anschließend in einer festen Beziehung kaum oder keinen erfüllenden Sex erlebt, kann der sexuelle Frust irgendwann so stark werden, dass die Versuchung eines anderen Partners erheblich zunimmt.

Diese These ist psychologisch plausibel, aber sie muss wissenschaftlich präzise formuliert werden. Es gibt keine belastbare Studie, die zeigt, dass Jungfrauen als Gruppe besonders häufig fremdgehen. Es gibt allerdings sehr gute Forschung dazu, dass sexuelle Unzufriedenheit, Unterschiede im sexuellen Verlangen, sinkende Beziehungszufriedenheit und die Verfügbarkeit alternativer Partner mit Untreue zusammenhängen. Gerade bei Frauen können große Unterschiede zwischen gewünschter und tatsächlich erlebter sexueller Aktivität die Beziehungszufriedenheit deutlich beeinträchtigen. (PubMed)

Damit ergibt sich eine interessante Forschungsthese: Nicht die Jungfräulichkeit selbst dürfte das Risiko bestimmen, sondern die Kombination aus hoher sexueller Motivation, unerfülltem Verlangen, langer Beziehung, emotionaler Unzufriedenheit und einer realistischen Gelegenheit für eine alternative Beziehung.

Warum die Frage nach Jungfrauen besonders interessant ist

Eine Frau, die mit 18, 20, 25 oder sogar später noch keinen Geschlechtsverkehr hatte, kann einen erheblichen Teil ihrer Sexualität zunächst als Erwartung erleben.

Sie wartet möglicherweise auf den richtigen Partner.

Sie stellt sich vor, wie Sexualität sein wird.

Sie entwickelt sexuelle Fantasien.

Sie entdeckt vielleicht durch Masturbation oder erotische Medien ihre eigenen Wünsche.

Und irgendwann beginnt sie eine feste Beziehung.

Hier entsteht ein psychologisch interessantes Szenario.

Die Frau könnte erwarten:

  • endlich sexuelle Nähe zu erleben,
  • ihre lange aufgeschobenen Wünsche auszuleben,
  • mit ihrem Partner neue Erfahrungen zu machen,
  • körperliche Intimität aufzubauen,
  • sich begehrt zu fühlen.

Wenn diese Erwartungen erfüllt werden, kann die Beziehung sehr befriedigend sein.

Wenn sie jedoch über längere Zeit enttäuscht werden, entsteht möglicherweise ein erheblicher Gegensatz zwischen erwarteter und tatsächlich erlebter Sexualität.

Die entscheidende Variable ist nicht Jungfräulichkeit, sondern sexuelle Diskrepanz

Die Forschung spricht häufig von einer sexual desire discrepancy, also einer Diskrepanz zwischen dem gewünschten und dem tatsächlich stattfindenden Sexualleben.

Eine große US-Studie mit 8.096 Dating-Paaren zeigte, dass größere Unterschiede zwischen gewünschter und tatsächlicher sexueller Häufigkeit mit geringerer Beziehungsstabilität verbunden waren. Besonders bemerkenswert war, dass die sexuelle Diskrepanz der Frauen einen deutlichen Zusammenhang mit der Beziehungszufriedenheit aufwies. Bei längeren Beziehungen waren diese negativen Zusammenhänge stärker. (PubMed)

Das lässt sich auf das hypothetische Szenario einer spät sexuell aktiven Frau übertragen:

Eine Frau kann lange auf ihre erste sexuelle Beziehung gewartet haben und anschließend feststellen, dass ihr Partner wesentlich weniger Sex möchte als sie.

Dann entsteht ein Problem.

Sie hat vielleicht jahrelang gewartet – und befindet sich nun trotzdem in einer Beziehung, in der ihre sexuellen Bedürfnisse nicht erfüllt werden.

Warum eine lange Beziehung die Situation verschärfen kann

Eine langfristige Beziehung verändert die Dynamik.

Am Anfang einer Partnerschaft sind Verliebtheit, Neuheit und sexuelle Spannung häufig besonders stark. Mit zunehmender Beziehungsdauer können Alltag, Arbeit, Stress, gesundheitliche Probleme, Gewohnheiten oder familiäre Verpflichtungen die sexuelle Dynamik verändern.

Eine deutsche Studie zu Untreue fand tatsächlich einen Zusammenhang zwischen längerer Dauer der Hauptbeziehung und einer höheren Wahrscheinlichkeit außerehelicher beziehungsweise außerdyadischer sexueller Kontakte. In derselben Untersuchung berichteten 29 % der heterosexuellen Frauen über außerdyadische sexuelle Kontakte. Allerdings handelte es sich um eine Internetstichprobe und nicht um eine repräsentative deutsche Bevölkerungsstichprobe. (PubMed)

Das ist für die hier diskutierte These besonders interessant.

Eine lange Beziehung schützt also nicht automatisch vor Untreue.

Im Gegenteil: Wenn eine lange Beziehung gleichzeitig mit sinkender Zufriedenheit, sexueller Unzufriedenheit und verfügbaren Alternativen einhergeht, können mehrere Risikofaktoren zusammenkommen.

Sexuelle Unzufriedenheit kann ein Motiv für Untreue sein

Die Forschung über Untreue zeigt, dass sexuelle Unzufriedenheit tatsächlich zu den relevanten Motiven gehört.

Eine Untersuchung zu den Motiven für außerdyadische Untreue identifizierte unter anderem:

  • sexuelle Unzufriedenheit,
  • Wunsch nach größerer sexueller Vielfalt,
  • fehlende Liebe,
  • geringe Bindung an den Partner,
  • Vernachlässigung,
  • Ärger,
  • situative Gelegenheiten.

Dabei wurde deutlich, dass Untreue selten nur einen einzigen Grund besitzt. (PubMed)

Das ist entscheidend.

Eine Frau betrügt ihren Partner normalerweise nicht einfach nach dem Muster:

„Ich hatte zu wenig Sex, deshalb habe ich einen anderen Mann genommen.“

Viel häufiger können mehrere Faktoren gleichzeitig wirken.

Wenn sexuelle Frustration auf emotionale Enttäuschung trifft

Besonders problematisch kann die Kombination aus sexueller und emotionaler Unzufriedenheit werden.

Eine Frau kann beispielsweise ihren Partner weiterhin mögen, aber gleichzeitig das Gefühl entwickeln:

„Er begehrt mich nicht mehr.“

„Unsere Beziehung fühlt sich nicht mehr intim an.“

„Ich bekomme körperlich nicht das, was ich brauche.“

„Ich habe das Gefühl, etwas verpasst zu haben.“

„Ich habe so lange gewartet und jetzt ist mein Sexualleben trotzdem unbefriedigend.“

Der letzte Punkt ist gerade für eine Frau interessant, die erst relativ spät ihre sexuelle Erfahrung beginnt.

Die Bedeutung des Problems kann subjektiv größer sein, weil sie nicht einfach auf viele frühere Erfahrungen zurückblicken kann.

Das Gefühl, etwas „verpasst“ zu haben

Eine Frau, die bereits mit mehreren Partnern Erfahrungen gesammelt hat, kann eine unbefriedigende Beziehung möglicherweise anders interpretieren als eine Frau, die ihren ersten Partner gewählt hat und bisher nur ihn kennt.

Das ist allerdings eine Hypothese, keine bewiesene allgemeine Regel.

Psychologisch ist jedoch vorstellbar, dass eine unerfahrene Frau irgendwann beginnt, sich zu fragen:

„Ist das wirklich alles?“

Gerade wenn sie zuvor lange sexuelle Fantasien entwickelt hat, Pornografie gesehen hat oder sich andere Formen von Beziehungen vorgestellt hat, kann die Diskrepanz zwischen Fantasie und Realität deutlich werden.

Die Frau vergleicht dann möglicherweise ihre aktuelle Beziehung mit einer idealisierten Vorstellung von Sexualität.

Die Rolle von Pornografie und sexuellen Fantasien

Pornografie kann diesen Prozess zusätzlich beeinflussen, muss es aber nicht.

Eine Frau kann beispielsweise Fantasien über andere Männer entwickeln, während sie in einer Beziehung ist.

Das allein bedeutet noch keine Untreue.

Fantasien sind nicht dasselbe wie Handlungen.

Problematischer kann es werden, wenn aus Fantasien konkrete Alternativen entstehen.

Ein attraktiver Kollege.

Ein ehemaliger Bekannter.

Ein Mann aus dem Freundeskreis.

Ein Kontakt über soziale Medien.

Oder ein neuer Mann, der plötzlich deutliches sexuelles Interesse zeigt.

Damit wird aus einer abstrakten Fantasie eine reale Möglichkeit.

Die Gelegenheit spielt eine wichtige Rolle

Die deutsche Forschung zu außerdyadischem Sex zeigt, dass nicht nur Beziehungszufriedenheit relevant ist.

Auch die Verfügbarkeit alternativer Sexualpartner und Möglichkeiten, Untreue zu verbergen, waren mit einer höheren Wahrscheinlichkeit außerdyadischer Kontakte verbunden. (PubMed)

Das ist ein wichtiger Unterschied.

Eine Frau kann extrem unzufrieden mit ihrem Sexualleben sein und trotzdem nicht fremdgehen, wenn keine Gelegenheit besteht oder sie Untreue grundsätzlich ablehnt.

Eine andere Frau kann dagegen auf einen attraktiven Mann treffen, der ihr genau das gibt, was sie in ihrer Beziehung vermisst.

Dann kann eine Kombination entstehen:

sexuelle Unzufriedenheit + emotionale Distanz + attraktive Alternative + Gelegenheit.

Das dürfte wesentlich aussagekräftiger sein als der Status „Jungfrau“.

Besonders problematisch: große Unterschiede beim sexuellen Verlangen

Nicht immer besteht das Problem darin, dass überhaupt kein Sex stattfindet.

Manchmal möchte ein Partner deutlich häufiger Sex als der andere.

Eine Untersuchung mit 133 heterosexuellen Paaren fand, dass eine größere Diskrepanz beim sexuellen Verlangen insbesondere mit geringerer sexueller Zufriedenheit der Frauen verbunden war. (PubMed)

Bei einer Frau mit starkem sexuellem Interesse kann eine dauerhaft geringe sexuelle Aktivität deshalb erheblichen Frust verursachen.

Das bedeutet allerdings nicht, dass sie automatisch fremdgeht.

Viele Menschen reagieren anders:

  • sie sprechen mit ihrem Partner,
  • sie suchen Kompromisse,
  • sie akzeptieren die Situation,
  • sie masturbieren,
  • sie versuchen, die Beziehung zu verbessern,
  • oder sie beenden die Beziehung.

Untreue ist nur eine mögliche Reaktion.

Warum „sexuell verzweifelt“ wissenschaftlich zu stark wäre

Die Formulierung, eine Frau werde wegen fehlenden Sexes „verzweifelt“, beschreibt zwar eine mögliche subjektive Erfahrung, ist aber wissenschaftlich problematisch.

Hohe sexuelle Lust ist nicht automatisch krankhaft.

Eine Untersuchung mit 2.599 kroatischen Frauen zwischen 18 und 60 Jahren zeigte beispielsweise, dass ein hohes sexuelles Verlangen nicht automatisch mit schlechterem Beziehungs- oder Sexualwohlbefinden verbunden war. Die Forscher warnten ausdrücklich davor, weibliches sexuelles Verlangen allein als problematisch oder pathologisch zu betrachten. (PubMed)

Deshalb wäre eine wissenschaftlich bessere Formulierung:

Eine Frau kann einen sehr starken und dauerhaft unerfüllten sexuellen Wunsch entwickeln, der für sie erheblichen persönlichen und relationalen Stress erzeugt.

Das ist etwas anderes als „verzweifelt“.

Kann eine Jungfrau ihren ersten Partner später betrügen?

Ja, natürlich kann das passieren.

Aber die Forschung erlaubt nicht die Aussage, dass Jungfrauen dies besonders häufig tun.

Interessant ist vielmehr die mögliche Entwicklung:

Phase 1: Warten

Die Frau bleibt lange Jungfrau und entwickelt Vorstellungen über ihren zukünftigen Partner.

Phase 2: Erste Beziehung

Sie findet einen Mann, dem sie vertraut, und erlebt mit ihm ihre ersten sexuellen Erfahrungen.

Phase 3: Ernüchterung

Die sexuelle Realität entspricht nicht ihren Erwartungen.

Phase 4: Wiederholte Unzufriedenheit

Die sexuelle Diskrepanz bleibt bestehen.

Phase 5: Alternative Aufmerksamkeit

Ein anderer Mann zeigt Interesse.

Phase 6: Vergleich

Die Frau beginnt, ihre bestehende Beziehung mit der neuen Möglichkeit zu vergleichen.

Phase 7: Entscheidung

Sie kann versuchen, die Beziehung zu verbessern, sie beenden – oder tatsächlich eine außerdyadische Beziehung beginnen.

Dieses Modell ist psychologisch plausibel, aber kein zwangsläufiger Ablauf.

Deutsche Forschung spricht für einen Zusammenhang zwischen Beziehungsproblemen und Untreue

Besonders interessant ist eine deutsche Längsschnittanalyse mit ungefähr 1.000 Untreueereignissen.

Die Ergebnisse zeigten, dass die Beziehungsqualität bereits vor dem Auftreten der Untreue allmählich abnahm. Die Verschlechterung begann also nicht erst durch den Seitensprung; vielmehr gingen Beziehungsprobleme dem Ereignis häufig voraus. (PubMed)

Das unterstützt die Vorstellung, dass Untreue häufig ein Symptom einer bereits problematischen Beziehung sein kann.

Für die hypothetische Jungfrau bedeutet das:

Nicht ihre fehlende sexuelle Vergangenheit wäre das Problem.

Das Problem wäre vielmehr eine Beziehung, in der sich über längere Zeit Unzufriedenheit aufbaut.

Sexuelle Probleme werden häufig nicht offen angesprochen

Ein weiterer wichtiger Faktor ist Kommunikation.

Forschung zu Frauen mit sexuellen Problemen zeigt, dass sexuelle Schwierigkeiten mit schlechterer sexueller Funktion und geringerer Beziehungszufriedenheit verbunden sein können. Gleichzeitig spielt offene sexuelle Kommunikation eine wichtige Rolle für das Wohlbefinden von Paaren. (PubMed)

Eine Frau kann also möglicherweise monatelang oder sogar jahrelang unzufrieden sein, ohne ihrem Partner klar mitzuteilen, wie stark sie darunter leidet.

Dann entsteht eine gefährliche Situation.

Der Partner weiß möglicherweise gar nicht, wie ernst das Problem ist.

Die Frau fühlt sich dagegen zunehmend unverstanden.

Und irgendwann kann die Aufmerksamkeit eines anderen Mannes besonders intensiv wirken.

Warum ein anderer Mann plötzlich so attraktiv erscheinen kann

Wenn eine Frau sich in ihrer Beziehung nicht mehr begehrt fühlt und plötzlich ein anderer Mann starkes Interesse zeigt, kann der Kontrast enorm sein.

Der neue Mann bietet möglicherweise:

  • Aufmerksamkeit,
  • Komplimente,
  • Neuheit,
  • sexuelle Spannung,
  • Neugier,
  • das Gefühl, wieder begehrt zu werden.

Dabei muss der neue Mann objektiv gar nicht „besser“ sein.

Die Neuheit selbst kann bereits eine starke Wirkung haben.

Die Forschung zu Untreue zeigt entsprechend, dass der Wunsch nach sexueller Vielfalt neben Unzufriedenheit, fehlender Liebe und anderen Faktoren ein eigenständiges Motiv darstellen kann. (PubMed)

Der erste sexuelle Partner hat nicht automatisch einen lebenslangen Bonus

Ein häufiger gesellschaftlicher Mythos lautet, dass eine Frau, die ihre Jungfräulichkeit innerhalb einer festen Beziehung verliert, besonders stark an diesen Mann gebunden bleibt.

Das kann emotional zutreffen – muss es aber nicht.

Eine Beziehung kann sehr wichtig sein und trotzdem später scheitern.

Gerade wenn der erste Partner gleichzeitig der einzige bisherige Sexualpartner ist, kann die Frau irgendwann neugierig werden, wie sich Sexualität mit einem anderen Menschen anfühlt.

Auch das ist keine zwangsläufige Entwicklung.

Aber der Wunsch nach sexueller Vielfalt ist in der Forschung als ein mögliches Motiv für Untreue dokumentiert. (PubMed)

Die zentrale These: Nicht die Jungfrau betrügt – sondern die unbefriedigte Partnerin

Damit lässt sich die ursprüngliche These wissenschaftlich präziser formulieren.

Es wäre falsch zu schreiben:

„Jungfrauen betrügen häufig ihre Freunde.“

Dafür gibt es keine ausreichenden Beweise.

Eine wesentlich besser begründete These lautet:

Frauen, die spät sexuelle Erfahrungen beginnen und anschließend über längere Zeit in einer sexuell unbefriedigenden Beziehung leben, können ein erhöhtes Motiv für außerdyadische Sexualität entwickeln – insbesondere wenn sexuelles Verlangen, Beziehungsunzufriedenheit und eine attraktive Alternative zusammenkommen.

Diese These wird durch mehrere Forschungsrichtungen gestützt.

Sexuelle Diskrepanzen können Beziehungen belasten. (PubMed)

Sexuelle und allgemeine Beziehungsunzufriedenheit hängen mit Untreueabsichten zusammen. (PubMed)

In deutschen Daten waren längere Beziehungen und geringe globale Beziehungszufriedenheit mit außerdyadischem Sex verbunden. (PubMed)

Und deutsche Längsschnittdaten zeigen, dass die Beziehungsqualität häufig bereits vor einer Untreue abnimmt. (PubMed)

Was passiert, wenn die Frau jahrelang auf Sex gewartet hat?

Hier liegt der psychologisch interessanteste Teil der Hypothese.

Stellen wir uns eine Frau vor, die bis Mitte 20 Jungfrau geblieben ist.

Sie beginnt schließlich eine feste Beziehung.

Sie erwartet möglicherweise, dass nun eine neue Lebensphase beginnt.

Wenn ihr Partner jedoch wenig sexuelles Interesse zeigt, kann sich die Enttäuschung besonders stark anfühlen.

Sie könnte denken:

„Dafür habe ich so lange gewartet?“

Wenn diese Situation über Monate anhält, kann aus Enttäuschung Frustration werden.

Und wenn gleichzeitig ein anderer Mann auftaucht, der ihr Aufmerksamkeit und sexuelles Interesse entgegenbringt, kann die Versuchung deutlich stärker werden.

Aber auch hier gilt: Die Entscheidung zur Untreue hängt nicht nur vom Sexualtrieb ab.

Persönliche Werte, Bindungsstil, Empathie, Beziehungsnormen, Gelegenheit und die Bereitschaft zur offenen Kommunikation spielen ebenfalls eine Rolle.

Untreue ist meistens kein plötzliches Ereignis

Die Forschung spricht eher dafür, Untreue als Prozess zu betrachten.

Eine Beziehung verschlechtert sich.

Die Kommunikation nimmt ab.

Sexuelle Bedürfnisse werden nicht ausreichend besprochen.

Ein Partner fühlt sich vernachlässigt.

Ein anderer Mensch wird interessant.

Emotionale oder sexuelle Nähe entsteht.

Dann wird eine Grenze überschritten.

Das erklärt auch, warum eine Person, die jahrelang treu war, plötzlich untreu werden kann.

Nicht unbedingt, weil sie sich grundlegend verändert hat, sondern weil sich ihre Beziehungssituation verändert hat.

Fazit: Kann sexuelle Frustration eine langjährige Jungfrau zum Fremdgehen bringen?

Ja – sexuelle Frustration kann ein relevanter Faktor für Untreue sein.

Aber die wissenschaftlich seriöse Aussage lautet nicht, dass Jungfrauen besonders häufig fremdgehen.

Vielmehr deutet die Forschung darauf hin, dass ein bestimmtes Risikoprofil problematisch werden kann:

lange Beziehung + unerfülltes sexuelles Verlangen + große Diskrepanz zwischen gewünschter und tatsächlicher Sexualität + sinkende Beziehungszufriedenheit + attraktive alternative Person + Gelegenheit.

Bei einer Frau, die lange Jungfrau war, kann die Situation subjektiv besonders intensiv sein, wenn sie das Gefühl entwickelt, dass sie nach langem Warten gerade in ihrer ersten Beziehung nicht die erwartete sexuelle Nähe erhält.

Sie kann dann zunehmend neugierig auf andere Männer werden.

Sie kann sexuelle Fantasien über andere Männer entwickeln.

Sie kann sich fragen, wie Sexualität mit jemand anderem wäre.

Und wenn gleichzeitig ein realer Mann Interesse zeigt, kann aus einer Fantasie eine konkrete Versuchung entstehen.

Doch die Forschung zeigt ebenso deutlich, dass sexuelle Unzufriedenheit allein nicht automatisch zu Untreue führt. Viele Menschen reagieren mit Kommunikation, Kompromissen oder einer Trennung. Untreue ist nur eine von mehreren möglichen Reaktionen.

Die interessanteste Schlussfolgerung lautet deshalb:

Nicht Jungfräulichkeit macht eine Frau untreu. Eine dauerhaft unerfüllte Beziehung kann es wahrscheinlicher machen.

Gerade deshalb sollte eine langfristige Beziehung nicht nur danach beurteilt werden, ob zwei Menschen einander lieben. Ebenso wichtig sind gegenseitige sexuelle Erwartungen, Offenheit, Kommunikation und die Frage, ob beide Partner ihre Bedürfnisse innerhalb der Beziehung langfristig miteinander vereinbaren können.

Denn wenn eine Frau jahrelang auf ihre erste sexuelle Beziehung gewartet hat und anschließend feststellt, dass ihre sexuelle Realität dauerhaft nicht zu ihren Bedürfnissen passt, kann der innere Konflikt erheblich sein.

Und genau an diesem Punkt wird aus der Frage nach der Jungfrau eine viel allgemeinere Frage der Beziehungsforschung:

Was passiert, wenn die sexuelle Realität eines Menschen dauerhaft hinter seinen Erwartungen zurückbleibt?

Die Forschung legt nahe, dass diese Frage für die Stabilität einer Beziehung durchaus entscheidend sein kann. (PubMed)

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