Mit 24 noch Jungfrau: Was passiert mit sexuellen Wünschen, Masturbation, Pornografie und dem Wunsch nach dem ersten Sex?

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Eine Frau ist 24 Jahre alt und hatte noch keinen Geschlechtsverkehr. Für manche Menschen klingt das ungewöhnlich, für andere völlig normal. Wissenschaftlich betrachtet ist jedoch zunächst etwas Wichtiges festzuhalten: Mit 24 Jungfrau zu sein ist keine sexuelle oder psychologische Störung. Es sagt auch nicht voraus, wie stark das sexuelle Verlangen einer Frau ist.

Trotzdem ist die Situation interessant. Eine 24-jährige Frau kann bereits seit vielen Jahren sexuelle Wünsche, Fantasien und Masturbationserfahrungen haben, während ihr erster Geschlechtsverkehr noch aussteht. Dadurch kann zwischen innerer sexueller Erfahrung und äußerer sexueller Biografie eine erhebliche Diskrepanz entstehen.

Die Frage ist deshalb nicht nur, ob eine 24-jährige Jungfrau Sex möchte. Interessanter ist: Wie können sich sexuelle Wünsche, Pornografiekonsum, Masturbation und Fantasien entwickeln, wenn der reale Partnersex ausbleibt? Und kann daraus irgendwann der Wunsch entstehen, spontan mit einem neuen oder sogar unbekannten Mann die eigene Jungfräulichkeit zu verlieren?

Die Forschung liefert darauf einige interessante Antworten – allerdings ist die These, dass „viele 24-jährige Jungfrauen schließlich auf einen Fremden warten und beim Urlaub oder auf einer Party spontan ihren ersten Sex haben“, nicht wissenschaftlich belegt. Dafür gibt es keine repräsentativen Daten. Es gibt jedoch Forschung, die einzelne Bestandteile dieser Entwicklung untersucht.

24 Jahre und noch Jungfrau: Wie ungewöhnlich ist das in Deutschland?

Die meisten Frauen beginnen ihr Sexualleben deutlich vor dem 24. Lebensjahr.

Eine deutsche Studie mit zufällig ausgewählten Frauen zwischen 20 und 25 Jahren fand, dass 95,4 % bereits Geschlechtsverkehr erlebt hatten. 70 % dieser Frauen hatten ihren ersten Geschlechtsverkehr vor dem 18. Geburtstag. Gleichzeitig bedeutet das, dass eine Minderheit auch im frühen Erwachsenenalter noch keine entsprechende Erfahrung gemacht hatte. (PubMed)

Eine größere deutsche Untersuchung des Robert Koch-Instituts kam ebenfalls zu dem Ergebnis, dass bei Frauen der erste Geschlechtsverkehr im Durchschnitt relativ früh im Erwachsenenleben stattfindet: 61 % der untersuchten Frauen berichteten, bereits vor ihrer Volljährigkeit ersten Geschlechtsverkehr gehabt zu haben. (PubMed)

Eine europaweite Untersuchung junger Menschen zwischen 18 und 24 Jahren zeigte ebenfalls, dass die sexuelle Debützeit typischerweise im späten Teenageralter liegt. Der Median lag bei Frauen je nach untersuchtem Land ungefähr zwischen 17 und 18 Jahren. Allerdings hatten bis zu 22 % der jungen Frauen im Alter von 18 bis 24 Jahren zum Zeitpunkt der Untersuchung noch keine sexuelle Erfahrung mit einem Partner. (PubMed)

Eine 24-jährige Jungfrau ist somit eine Minderheit, aber keineswegs ein medizinisches oder psychologisches „Problem“.

Was könnte eine 24-jährige Jungfrau sexuell bereits erlebt haben?

Hier wird der Unterschied zwischen Jungfräulichkeit und sexueller Erfahrung wichtig.

Eine Frau kann mit 24 Jahren:

  • noch keinen Geschlechtsverkehr gehabt haben,
  • trotzdem regelmäßig masturbieren,
  • Männer attraktiv finden,
  • sexuelle Fantasien besitzen,
  • erotische oder pornografische Inhalte kennen,
  • sich verliebt haben,
  • sexuelle Wünsche entwickelt haben,
  • wissen, welche Arten von Reizen sie erregend findet.

Jungfräulichkeit beschreibt deshalb nur einen relativ kleinen Teil der Sexualbiografie.

Eine Frau kann sexuell sehr neugierig sein, obwohl sie noch keinen Partnersex hatte.

Masturbation kann lange vor dem ersten Geschlechtsverkehr beginnen

Eine deutsche Untersuchung von 425 Frauen mit einem Durchschnittsalter von 26,6 Jahren liefert hierzu besonders interessante Daten.

94,5 % der Teilnehmerinnen berichteten, mindestens einmal im Leben masturbiert zu haben. Das durchschnittliche Alter bei der ersten Masturbation lag bei etwa 14 Jahren. 26,8 % gaben an, zwei- bis dreimal pro Woche zu masturbieren, während 26,3 % ungefähr einmal pro Woche angaben. Außerdem berichteten 91,5 % der Frauen, die in einer Beziehung waren, auch während der Beziehung zu masturbieren. (PubMed)

Das bedeutet: Eine Frau kann bereits ein Jahrzehnt oder länger masturbieren, bevor sie ihren ersten Partnersex erlebt.

Für eine 24-jährige Jungfrau kann Sexualität daher keineswegs etwas völlig Neues sein.

Der Partnersex ist neu – die sexuelle Erregung selbst muss es nicht sein.

Kann häufige Masturbation bei einer 24-jährigen Jungfrau auftreten?

Ja.

Aber es wäre falsch zu behaupten, dass Jungfrauen grundsätzlich besonders häufig masturbieren.

Die deutsche Studie zeigt lediglich, dass Masturbation bei Frauen sehr verbreitet ist. Sie untersuchte nicht speziell 24-jährige Jungfrauen.

Eine Frau ohne Partner kann Masturbation als Ausdruck sexueller Lust erleben. Sie kann dadurch ihren eigenen Körper kennenlernen und herausfinden, welche Formen von Nähe und Erregung für sie interessant sind.

Andere Frauen masturbieren wesentlich seltener.

Auch eine Frau mit hoher Libido muss nicht automatisch häufig masturbieren, während eine Frau mit niedrigerem sexuellem Verlangen gelegentlich masturbieren kann.

Pornografie kann eine zweite sexuelle Erfahrungswelt schaffen

Bei einer 24-jährigen Frau ohne Partnersex kann Pornografie ebenfalls eine Rolle spielen.

Eine Untersuchung von 293 deutschen Medizinstudentinnen mit einem Durchschnittsalter von 24 Jahren ergab, dass 71,7 % der Frauen bereits irgendwann pornografisches Material konsumiert hatten. Rund ein Drittel hatte in den vier Wochen vor der Untersuchung Pornografie konsumiert. Allerdings konsumierten nur 7,3 % der weiblichen Studierenden Pornografie mehr als viermal in diesen vier Wochen. (PubMed Central (PMC))

Das ist ein wichtiges Ergebnis.

Pornografie ist unter jungen deutschen Frauen keineswegs unbekannt. Gleichzeitig gibt es keinen Beleg dafür, dass die typische 24-jährige Frau täglich Pornografie konsumiert.

Noch interessanter: In derselben Studie gaben 52 % der Frauen an, dass Pornografie sie in irgendeiner Form für ihr eigenes Sexualleben inspiriert hatte. (PubMed Central (PMC))

Damit kann Pornografie durchaus Bestandteil der sexuellen Vorstellungskraft werden.

Welche Rolle spielt „ungewöhnliche“ Pornografie?

Auch hier sollte man nicht pauschalisieren.

Eine deutschlandweite Untersuchung mit 1.197 Universitätsstudenten untersuchte, ob das, was Menschen in Pornografie interessant finden, mit ihren realen sexuellen Erfahrungen übereinstimmt.

Das Ergebnis war ausgesprochen interessant: Es gab zwar Zusammenhänge zwischen bestimmten pornografischen Vorlieben und realen sexuellen Erfahrungen, aber ein beträchtlicher Teil der Teilnehmer wollte die von ihm im Porno bevorzugten Praktiken im wirklichen Leben überhaupt nicht ausprobieren.

Dieser Unterschied war gerade bei weniger verbreiteten oder ungewöhnlicheren Inhalten besonders deutlich. Die Autoren interpretieren Pornografie deshalb unter anderem als einen eigenen „intimen Raum“ für sexuelle Fantasien. (PubMed)

Das ist für eine 24-jährige Jungfrau besonders relevant.

Sie kann etwas im Internet interessant finden, darüber fantasieren und masturbieren – ohne daraus den Wunsch abzuleiten, dasselbe tatsächlich mit einem Partner zu tun.

Wenn Fantasie und Realität auseinandergehen

Eine Frau kann beispielsweise einen bestimmten Typ Mann in Pornografie attraktiv finden.

Vielleicht interessiert sie sich für besonders selbstbewusste Männer.

Vielleicht für einen bestimmten Körpertyp.

Vielleicht für ungewöhnliche Rollenspiele oder Machtkonstellationen.

Vielleicht für sehr leidenschaftliche Szenarien.

Aber die reale Vorstellung ihres ersten Partners kann völlig anders aussehen.

Sie könnte beispielsweise einen ruhigen, liebevollen Mann bevorzugen, obwohl ihre Fantasien wesentlich aufregender oder ungewöhnlicher sind.

Das ist kein Widerspruch.

Fantasie und reale Partnerwahl erfüllen unterschiedliche psychologische Funktionen.

Kann mit 24 der Wunsch entstehen: „Ich möchte es endlich erleben“?

Ja, selbstverständlich.

Wenn eine Frau über Jahre sexuelle Wünsche entwickelt hat und noch keine Partnererfahrung besitzt, kann irgendwann der Wunsch entstehen, diese Erfahrung tatsächlich zu machen.

Das kann besonders dann passieren, wenn sie:

  • sich verliebt,
  • einen attraktiven Mann kennenlernt,
  • eine Beziehung beginnt,
  • ihre sexuelle Neugier stärker wird,
  • sich emotional bereit fühlt,
  • das Gefühl bekommt, nicht länger warten zu wollen.

Aber es gibt keinen wissenschaftlichen Beleg dafür, dass Frauen ab 24 automatisch einen immer stärkeren oder gar „verzweifelten“ Drang nach dem ersten Geschlechtsverkehr entwickeln.

Das wäre eine Übertreibung.

Was passiert, wenn die Fantasie stärker wird als die Geduld?

Hier beginnt ein interessanter psychologischer Prozess.

Eine Frau kann jahrelang denken:

„Ich möchte meinen ersten Sex mit dem richtigen Mann erleben.“

Mit der Zeit kann sich diese Vorstellung verändern.

Aus „mit dem richtigen Mann“ kann werden:

„Ich möchte es endlich überhaupt erleben.“

Das ist nicht bei jeder Frau so.

Aber eine Veränderung der Prioritäten ist durchaus denkbar.

Eine Frau kann irgendwann feststellen, dass ihr die Erfahrung selbst wichtiger geworden ist als die ursprüngliche Vorstellung eines perfekten romantischen Szenarios.

Damit kann die Bereitschaft steigen, neue Menschen kennenzulernen.

Könnte daraus ein One-Night-Stand entstehen?

Ja, theoretisch.

Aber hier müssen wir zwischen möglichem Verhalten und statistischer Häufigkeit unterscheiden.

Es gibt keine gute Studie, die zeigt, dass viele 24-jährige deutsche Jungfrauen gezielt einen One-Night-Stand mit einem Fremden suchen, um ihre Jungfräulichkeit zu verlieren.

Die vorhandene Forschung zeigt vielmehr, dass sexuelle Debüts häufig in einem Beziehungs- oder zumindest vertrauten sozialen Kontext stattfinden.

Eine ältere deutsche Untersuchung zu Sexualität in Ostdeutschland fand beispielsweise, dass der erste Geschlechtsverkehr typischerweise in einer stabilen Partnerschaft stattfand; 85 % der Frauen berichteten dies. (PubMed)

Auch andere europäische Untersuchungen zeigen, dass der erste Sexualpartner bei jungen Frauen häufig nicht völlig zufällig gewählt wird.

Die These vom „Fremden im Urlaub“ ist daher eher eine interessante Möglichkeit als ein nachgewiesenes Massenphänomen.

Warum kann ein Urlaub trotzdem eine besondere Situation schaffen?

Urlaub verändert soziale Rahmenbedingungen.

Menschen sind außerhalb ihres normalen Alltags.

Sie treffen neue Personen.

Sie haben mehr Freizeit.

Sie besuchen Bars, Clubs, Festivals oder Veranstaltungen.

Sie fühlen sich manchmal selbstbewusster und freier.

Ein Urlaub kann deshalb tatsächlich Situationen schaffen, in denen neue romantische oder sexuelle Kontakte entstehen.

Das bedeutet jedoch nicht, dass eine Jungfrau gezielt nach einem Fremden sucht.

Vielleicht lernt sie während eines Urlaubs einen Mann kennen, verbringt mehrere Tage mit ihm, entwickelt Vertrauen und entscheidet sich erst danach für Intimität.

Der entscheidende Faktor wäre dann nicht seine Fremdheit, sondern die kurzfristig entstandene Nähe.

„Sommerliebe“ und der Wunsch nach einer ersten Erfahrung

Eine mögliche Variante ist die klassische Urlaubssituation:

Eine junge Frau lernt während eines Sommerurlaubs einen Mann kennen.

Zunächst gibt es Gespräche, gemeinsames Ausgehen und gegenseitige Anziehung.

Sie weiß, dass die Beziehung möglicherweise nur wenige Tage oder Wochen dauern wird.

Gerade diese zeitliche Begrenzung kann eine besondere emotionale Intensität erzeugen.

Die Frau könnte denken:

„Vielleicht muss ich nicht mein ganzes Leben mit ihm verbringen. Vielleicht möchte ich einfach herausfinden, wie sich diese Nähe anfühlt.“

Ob eine solche Situation tatsächlich zum ersten Geschlechtsverkehr führt, hängt jedoch von den individuellen Entscheidungen beider Personen ab.

Noch eine mögliche Situation: Festival oder Technoparty

Auch Festivals, Clubs und Partys können neue Kontakte ermöglichen.

Eine Person begegnet dort vielen Menschen außerhalb ihres normalen sozialen Umfelds.

Alkohol oder andere Substanzen können Hemmungen verändern, was allerdings gleichzeitig Risiken erhöht und Entscheidungen erschweren kann.

Deshalb sollte man aus der romantisierten Vorstellung eines spontanen „Techno-Party-One-Night-Stands“ keine allgemeine Erklärung für weibliche sexuelle Debüts machen.

Die Forschung zeigt vielmehr, dass sexuelle Entscheidungen von vielen Faktoren beeinflusst werden: persönlicher Einstellung, Vertrauen, Beziehungssituation, Gelegenheit, sexueller Motivation und sozialen Normen.

Könnte eine Frau gezielt nach einem Mann suchen, nur um ihren ersten Sex zu erleben?

Das ist möglich.

Eine Frau könnte beispielsweise irgendwann entscheiden:

„Ich möchte nicht mehr auf die perfekte Beziehung warten.“

Das wäre eine persönliche Entscheidung.

Dabei muss sie nicht besonders hohe sexuelle Lust haben.

Vielleicht geht es ihr stärker um Neugier.

Vielleicht möchte sie eine Erfahrung machen, die sie bisher nur aus Fantasien kennt.

Vielleicht fühlt sie sich mit 24 zunehmend unwohl damit, noch keine Erfahrung zu haben.

Oder sie möchte schlicht selbst bestimmen, wann sie ihre erste sexuelle Beziehung erlebt.

Der psychologische Unterschied zwischen „ich will Sex“ und „ich will diese Erfahrung“

Diese Unterscheidung ist wichtig.

Eine Frau kann denken:

„Ich möchte Sex.“

Das beschreibt sexuelles Verlangen.

Sie kann aber auch denken:

„Ich möchte wissen, wie es sich anfühlt, zum ersten Mal mit jemandem intim zu sein.“

Das beschreibt eher Neugier und Erfahrungswunsch.

Oder:

„Ich möchte endlich aufhören, mich wegen meiner Jungfräulichkeit anders zu fühlen.“

Das wäre stärker eine Frage der Identität.

Diese drei Motivationen können zusammen auftreten, müssen aber nicht.

Pornografie kann die Vorstellung vom ersten Mal beeinflussen

Bei einer Frau, die noch keine sexuelle Erfahrung besitzt, können Medien eine Rolle bei der Entwicklung sexueller Erwartungen spielen.

Eine deutsche Untersuchung unter jungen Erwachsenen zeigte, dass Pornografie für viele Nutzer eine Inspirationsquelle für das eigene Sexualleben darstellt. Gleichzeitig warnen die Autoren davor, pornografische Darstellungen mit realer Sexualität gleichzusetzen. (PubMed Central (PMC))

Eine Frau kann deshalb Vorstellungen darüber entwickeln, wie ihr erstes Mal aussehen könnte.

Vielleicht romantisch.

Vielleicht spontan.

Vielleicht besonders leidenschaftlich.

Vielleicht mit einem sehr selbstbewussten Mann.

Vielleicht sogar in einer Situation, die sie aus einem Film oder einer Fantasie kennt.

Aber die Realität wird wahrscheinlich anders sein.

Eine 24-jährige Jungfrau kann sehr viel masturbieren und trotzdem warten

Das ist vielleicht das wichtigste Gegenargument gegen die Vorstellung, dass sexuelle Lust automatisch zu Partnersex führt.

Eine Frau kann regelmäßig masturbieren.

Sie kann Pornografie ansehen.

Sie kann sexuelle Fantasien besitzen.

Sie kann Männer attraktiv finden.

Und trotzdem keinen Sex mit einem Partner haben.

Warum?

Weil sexuelle Lust nur eine Variable ist.

Weitere Faktoren sind:

  • Vertrauen,
  • Angst,
  • religiöse oder persönliche Werte,
  • fehlende Gelegenheit,
  • Unsicherheit,
  • Körperbild,
  • soziale Erfahrungen,
  • Wunsch nach emotionaler Bindung,
  • Angst vor Schwangerschaft oder Infektionen,
  • fehlender geeigneter Partner.

Deshalb kann eine sexuell sehr interessierte Frau lange Jungfrau bleiben.

Gibt es bei Frauen eine „sexuelle Frustration“?

Ja, sexuelle Frustration ist ein reales menschliches Phänomen.

Sie kann entstehen, wenn eine Person sexuelle Bedürfnisse hat, aber keine Möglichkeit oder keinen geeigneten Partner findet.

Das bedeutet jedoch nicht, dass eine Frau zwangsläufig fremdgeht oder einen One-Night-Stand sucht.

Die Reaktionen können sehr unterschiedlich sein.

Eine Frau kann:

  • masturbieren,
  • Fantasien entwickeln,
  • Pornografie konsumieren,
  • aktiv nach einer Beziehung suchen,
  • Dating-Apps benutzen,
  • sich emotional zurückziehen,
  • ihre Erwartungen verändern,
  • oder bewusst weiterhin warten.

Was wäre, wenn sie tatsächlich einen Fremden kennenlernt?

Hier wird die Situation konkreter.

Wenn eine 24-jährige Jungfrau einen Mann kennenlernt, der ihr attraktiv erscheint, kann ihre Entscheidung von ganz anderen Faktoren abhängen als von ihrer bisherigen Jungfräulichkeit.

Vielleicht fühlt sie sich sicher.

Vielleicht vertraut sie ihm.

Vielleicht entwickelt sich innerhalb kurzer Zeit eine starke emotionale Verbindung.

Vielleicht möchte sie eine unverbindliche Erfahrung.

Oder vielleicht merkt sie im entscheidenden Moment, dass sie doch noch nicht bereit ist.

Auch nach jahrelanger sexueller Fantasie kann die reale Situation vollkommen anders empfunden werden.

Der erste Sex muss nicht „perfekt“ sein

Forschung zu sexuellen Debüts zeigt außerdem, dass die Qualität des ersten Geschlechtsverkehrs nicht allein davon abhängt, ob eine Frau lange gewartet hat.

Untersuchungen zeigen Unterschiede in körperlicher und emotionaler Zufriedenheit beim ersten Geschlechtsverkehr und weisen darauf hin, dass die konkrete Situation und die Qualität der Interaktion eine wichtige Rolle spielen. (PubMed)

Deshalb ist es nicht sinnvoll, den ersten Sex als eine Art Prüfung zu betrachten.

Es geht nicht darum, möglichst schnell eine jahrelange „sexuelle Lücke“ zu schließen.

Ein wichtiger Unterschied: Fantasie vom Fremden versus realer Fremder

Eine Frau kann über einen unbekannten Mann fantasieren, weil das Unbekannte aufregend ist.

In der Realität bedeutet ein unbekannter Mann jedoch auch:

  • keine gemeinsame Vorgeschichte,
  • wenig Wissen über seine Zuverlässigkeit,
  • unbekannte sexuelle Gesundheit,
  • unbekannte Grenzen,
  • unbekannte Erwartungen.

Deshalb ist die Fantasie häufig viel einfacher als die Realität.

Ein „Fremder“ in einer Fantasie ist eine Projektionsfläche.

Ein Fremder im wirklichen Leben ist ein echter Mensch mit eigener Persönlichkeit und eigenen Grenzen.

Was sagt die Forschung über casual Sex?

Casual Sex existiert in Deutschland und Europa durchaus.

Eine britische Wahrscheinlichkeitsstudie zeigte beispielsweise, dass ein erheblicher Teil heterosexueller Partnerschaften nicht regelmäßig beziehungsweise noch nicht etabliert war. Bei Frauen waren etwa 20 % der untersuchten Partnerschaften „nicht regelmäßig“. (PubMed)

Das beweist jedoch nicht, dass solche Kontakte besonders häufig den allerersten Geschlechtsverkehr darstellen.

Gerade beim sexuellen Debüt muss man deshalb vorsichtig sein.

Die Forschung über den ersten Sex zeigt eher, dass der Kontext, die Beziehung zum Partner und die persönliche Bereitschaft eine erhebliche Rolle spielen.

Eine realistischere Hypothese für die 24-jährige Jungfrau

Statt zu behaupten:

„Mit 24 masturbiert eine Jungfrau immer mehr, schaut immer ungewöhnlichere Pornografie und sucht schließlich einen Fremden.“

wäre wissenschaftlich wesentlich sinnvoller:

Eine 24-jährige Jungfrau kann trotz fehlender Partnererfahrung eine ausgeprägte sexuelle Selbstständigkeit entwickelt haben. Dazu können regelmäßige Masturbation, Pornografiekonsum und sexuelle Fantasien gehören. Wenn gleichzeitig der Wunsch nach einer realen sexuellen Erfahrung wächst, kann sie ihre Partnerwahl verändern und offener für neue oder kurzfristige Bekanntschaften werden. Ob daraus tatsächlich ein One-Night-Stand entsteht, hängt jedoch stark von individuellen und situativen Faktoren ab.

Diese Formulierung passt wesentlich besser zu den verfügbaren Daten.

Fazit: Mit 24 Jungfrau zu sein kann mit einer sehr aktiven inneren Sexualität einhergehen

Eine 24-jährige Jungfrau kann eine vollkommen normale und gleichzeitig sehr aktive Sexualität besitzen.

Sie kann seit vielen Jahren masturbieren. Die deutsche Forschung zeigt, dass Masturbation unter Frauen weit verbreitet ist und bei vielen bereits im frühen Teenageralter beginnt. (PubMed)

Sie kann Pornografie konsumieren. Unter jungen deutschen Frauen ist Pornografiekonsum keineswegs selten, auch wenn die Häufigkeit deutlich unter der männlichen liegt. (PubMed Central (PMC))

Sie kann ungewöhnliche oder vielfältige Fantasien besitzen. Deutsche Forschung zeigt ausdrücklich, dass pornografische Vorlieben nicht automatisch bedeuten, dass die entsprechenden Praktiken real erlebt werden wollen. (PubMed)

Und sie kann irgendwann zu dem Punkt gelangen, an dem ihr die reale Erfahrung wichtiger erscheint als das weitere Warten.

Dann könnte eine neue Bekanntschaft, ein Urlaub, ein Festival, eine Party oder eine spontane romantische Situation tatsächlich eine Rolle spielen.

Aber die verfügbare Forschung stützt nicht die Behauptung, dass viele 24-jährige Jungfrauen gezielt auf einen fremden Mann warten, um mit ihm einen One-Night-Stand zu haben. Ebenso wenig gibt es belastbare Belege dafür, dass sie ab diesem Alter besonders häufig oder „verzweifelt“ masturbieren.

Was die Forschung dagegen sehr gut unterstützt, ist ein anderes Bild:

Eine Frau kann lange Jungfrau bleiben und trotzdem eine ausgeprägte sexuelle Innenwelt besitzen.

Masturbation, Fantasie und Pornografie können diese Innenwelt über Jahre begleiten. Und wenn irgendwann der Wunsch nach einer realen Erfahrung entsteht, kann dieser Wunsch dazu führen, dass eine Frau ihre bisherige Vorstellung vom „richtigen ersten Mann“ neu bewertet.

Für manche könnte das weiterhin eine langfristige Liebesbeziehung sein.

Für andere vielleicht eine kurze, intensive Bekanntschaft.

Und für wieder andere vielleicht tatsächlich eine Urlaubsliebe oder ein spontaner Kontakt.

Der entscheidende Punkt ist jedoch: Es gibt keinen typischen Weg aus der Jungfräulichkeit. Manche Frauen warten auf Liebe, manche auf Vertrauen, manche auf den richtigen Zeitpunkt und manche entscheiden sich irgendwann bewusst für eine weniger langfristige Beziehung.

Die Forschung erlaubt uns, diese Möglichkeiten zu untersuchen – aber nicht, aus dem Alter 24 automatisch auf das Verhalten einer einzelnen Frau zu schließen.

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