Wann haben Frauen und junge Frauen in Deutschland durchschnittlich ihren ersten Geschlechtsverkehr? Bleiben viele Mädchen bis 18, 19, 20 oder sogar länger Jungfrau? Und wie häufig passiert das erste Mal erst dann, wenn bereits eine feste Beziehung besteht?
Diese Fragen werden im Internet häufig mit sehr vereinfachten Aussagen beantwortet. Tatsächlich ist die Realität wesentlich differenzierter. Es gibt große Unterschiede zwischen Ländern, Generationen und einzelnen Menschen. Außerdem hat sich das Alter beim ersten Geschlechtsverkehr in Deutschland in den vergangenen Jahren offenbar wieder nach hinten verschoben.
Besonders interessant sind die neuesten deutschen Daten: Die 10. Welle der repräsentativen Jugendsexualitätsstudie des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) basiert auf 5.855 Befragungen aus dem Jahr 2025. Sie zeigt, dass junge Menschen heute später sexuell aktiv werden als noch einige Jahre zuvor. Bei den 17-Jährigen hatten 2025 nur noch 40 Prozent bereits heterosexuellen Sex, gegenüber 61 Prozent im Jahr 2019. Mit 19 Jahren hatten 59 Prozent entsprechende Erfahrungen gemacht; bei den 23- bis 25-Jährigen waren es rund 81 bis 82 Prozent. (Springer)
Damit wird bereits eine wichtige Tatsache deutlich:
Es gibt kein einzelnes „normales“ Alter für das erste Mal.
Viele junge Frauen haben ihren ersten Geschlechtsverkehr während der Teenagerjahre. Ein erheblicher Anteil wartet jedoch bis zum Ende der Teenagerzeit oder darüber hinaus.
Und besonders interessant ist, dass der erste Geschlechtsverkehr bei jungen Frauen häufig nicht zufällig oder mit einem völlig unbekannten Mann stattfindet, sondern innerhalb einer bestehenden oder zumindest gut bekannten Beziehung.
Was bedeutet „Jungfrau bleiben“ eigentlich?
Der Begriff „Jungfrau“ wird im Alltag häufig verwendet, obwohl er wissenschaftlich nicht völlig eindeutig ist.
In statistischen Untersuchungen wird deshalb normalerweise nicht einfach gefragt, ob eine Person „Jungfrau“ ist. Stattdessen wird beispielsweise gefragt, ob sie bereits Geschlechtsverkehr hatte und in welchem Alter der erste Geschlechtsverkehr stattfand.
Das ist aus wissenschaftlicher Sicht wesentlich sinnvoller.
Denn sexuelle Erfahrungen können unterschiedliche Formen annehmen. Ein Mensch kann beispielsweise bereits intime Erfahrungen gemacht haben, ohne vaginalen Geschlechtsverkehr gehabt zu haben.
Wenn Studien deshalb vom Alter beim ersten Geschlechtsverkehr sprechen, sollte man diese Definition auch genau so verstehen.
Für die folgenden Zahlen bedeutet „erstes Mal“ daher überwiegend den ersten Geschlechtsverkehr und nicht zwangsläufig jede Form sexueller Erfahrung.
Das aktuellste Deutschland-Bild: Der erste Sex kommt später
Die interessanteste Quelle für Deutschland ist derzeit die Jugendsexualitätsstudie 2025, deren erste Ergebnisse 2026 veröffentlicht wurden.
Die Studie wurde bundesweit mit 5.855 Jugendlichen und jungen Erwachsenen durchgeführt:
- 3.514 Jugendliche im Alter von 14 bis 17 Jahren
- 2.341 junge Erwachsene im Alter von 18 bis 25 Jahren
- insgesamt 5.855 Befragte
- Erhebungszeitraum: Februar bis Juli 2025
Die Studie wird regelmäßig durchgeführt und erlaubt deshalb auch Vergleiche mit früheren Generationen. (sexualaufklaerung.de)
Das Ergebnis ist bemerkenswert:
Junge Menschen in Deutschland warten heute länger mit dem ersten Sex als noch 2019.
Bei den 17-Jährigen hatten 2019 noch 61 Prozent bereits heterosexuellen Geschlechtsverkehr erlebt. 2025 waren es nur noch 40 Prozent.
Auch bei den 19-Jährigen zeigt sich der Unterschied:
2025 hatten 59 Prozent bereits heterosexuelle sexuelle Erfahrungen, gegenüber 75 Prozent im Jahr 2019.
Bei den 23- bis 25-Jährigen lagen die Werte 2025 bei etwa 81 bis 82 Prozent. (Springer)
Das bedeutet gleichzeitig, dass ein nicht unerheblicher Teil junger Menschen auch mit 19 Jahren noch keine entsprechende Erfahrung gemacht hat.
Wie viele junge Frauen sind mit 18 noch Jungfrau?
Eine ältere, aber große deutsche Datengrundlage liefert hier eine besonders hilfreiche Orientierung.
Die KiGGS-Welle 2 des Robert Koch-Instituts untersuchte sexuelle und kontrazeptive Verhaltensweisen junger Menschen in Deutschland.
Bei den 14- bis 31-Jährigen berichteten 61 Prozent der Mädchen und jungen Frauen, dass ihr erster Geschlechtsverkehr vor dem Erreichen der Volljährigkeit stattgefunden hatte.
Anders herum bedeutet das:
Rund 39 Prozent hatten bis zum 18. Geburtstag noch keinen Geschlechtsverkehr.
Diese Zahl stammt allerdings aus der Erhebung 2014–2017 und beschreibt daher nicht exakt die Situation im Jahr 2026. (PMC)
Gerade deshalb sind die neueren BIÖG-Daten wichtig: Sie zeigen, dass sich der Beginn sexueller Erfahrungen in Deutschland zuletzt weiter nach hinten verschoben hat.
Mit 19 ist längst nicht jede junge Frau sexuell erfahren
Auch das ist ein verbreiteter Irrtum.
Wenn jemand hört, dass Jugendliche durchschnittlich oder überwiegend mit ungefähr 19 Jahren ihr erstes Mal erleben, kann leicht der Eindruck entstehen, dass praktisch alle mit 18 oder 19 bereits sexuelle Erfahrungen besitzen.
Die Daten zeigen etwas anderes.
In der aktuellen deutschen Jugendsexualitätsstudie hatten 2025 bei den 19-Jährigen insgesamt 59 Prozent heterosexuelle Erfahrungen.
Damit hatten ungefähr 41 Prozent der 19-Jährigen noch keine heterosexuelle sexuelle Erfahrung.
Das bedeutet nicht automatisch, dass diese Personen Jungfrau im umfassenden Sinne sind, weil die Studie unterschiedliche sexuelle Orientierungen und Erfahrungen berücksichtigt. Es zeigt aber sehr deutlich, dass sexuelle Erfahrung mit 19 keineswegs universell ist. (Springer)
Was passiert zwischen 19 und 25?
Mit zunehmendem Alter steigt der Anteil der Menschen mit sexueller Erfahrung deutlich.
In der aktuellen Studie hatten bei den 23- bis 25-Jährigen etwa 81 bis 82 Prozent heterosexuellen Sex erlebt. (Springer)
Das bedeutet gleichzeitig:
Etwa 18 bis 19 Prozent hatten in dieser Altersgruppe noch keinen heterosexuellen Geschlechtsverkehr angegeben.
Damit gibt es auch im Alter von 23, 24 oder 25 Jahren noch eine relevante Minderheit ohne entsprechende Erfahrung.
Das ist wichtig, weil gesellschaftlich häufig der Eindruck vermittelt wird, sexuelle Erfahrungen müssten bereits sehr früh stattfinden.
Die deutschen Daten unterstützen diese Vorstellung nicht.
Gibt es also viele Frauen, die bis 20 oder 21 Jungfrau bleiben?
Ja.
Und zwar deutlich mehr, als viele Menschen aufgrund ihrer persönlichen Erfahrungen vermuten könnten.
Die verfügbaren deutschen Daten zeigen, dass ein Teil junger Frauen den ersten Geschlechtsverkehr erst nach der Teenagerzeit erlebt.
Die aktuelle BIÖG-Studie zeigt eine deutliche Verschiebung nach hinten. Die ältere KiGGS-Studie zeigte bereits, dass ungefähr jede fünfte Person bis 20 noch keinen Geschlechtsverkehr erlebt hatte und dass bis 30 nur noch ungefähr 4 Prozent der Frauen keinen Geschlechtsverkehr angegeben hatten. (PMC)
Diese Zahlen sollten allerdings nicht als exakte aktuelle Prozentwerte für 2026 interpretiert werden.
Sie stammen aus unterschiedlichen Erhebungszeiträumen und Methoden.
Was sich jedoch sehr deutlich erkennen lässt, ist:
Sexuelle Unerfahrenheit im Alter von 18, 19 oder 20 Jahren ist keineswegs außergewöhnlich.
Deutschland: Wann findet der erste Geschlechtsverkehr statt?
Wenn man die verschiedenen deutschen Untersuchungen zusammennimmt, ergibt sich ungefähr folgendes Bild:
| Altersgruppe | Was die Forschung zeigt |
|---|---|
| 14–15 Jahre | Die Mehrheit hat noch keinen Geschlechtsverkehr |
| 16–17 Jahre | Ein wachsender, aber keineswegs überwiegender Anteil ist sexuell erfahren |
| 17 Jahre | 2025 hatten 40 % bereits heterosexuellen Sex |
| 18 Jahre | Ein erheblicher Teil hatte noch keine Erfahrung |
| 19 Jahre | 59 % hatten 2025 heterosexuelle Erfahrungen |
| 20–22 Jahre | Der Anteil steigt weiter |
| 23–25 Jahre | Rund 81–82 % hatten 2025 heterosexuellen Sex |
| 25+ | Die Zahl der Personen ohne sexuelle Erfahrung nimmt weiter ab |
Die wichtigste Einschränkung: Die aktuellen BIÖG-Zahlen beziehen sich auf heterosexuelle sexuelle Erfahrungen und die ausgewiesenen Alterswerte stammen aus bestimmten Teilstichproben. Sie dürfen deshalb nicht einfach als allgemeine „Jungfräulichkeitsquote“ für alle Frauen interpretiert werden. (Springer)
Eine deutsche Studie mit jungen Frauen liefert weitere Hinweise
Eine Untersuchung mit 823 jungen Frauen in Deutschland im Alter von 20 bis 25 Jahren wurde zwischen 2010 und 2012 durchgeführt.
Von den Teilnehmerinnen hatten 95,4 Prozent zum Zeitpunkt der Untersuchung bereits Geschlechtsverkehr erlebt.
70 Prozent dieser Frauen hatten ihren ersten Geschlechtsverkehr vor dem 18. Geburtstag.
Weniger als 5 Prozent hatten ihren ersten Geschlechtsverkehr vor dem 14. Geburtstag. (PMC)
Das bedeutet auch:
Ein kleiner, aber realer Anteil junger Frauen hatte mit 20 bis 25 Jahren noch keinen Geschlechtsverkehr.
Die Untersuchung ist inzwischen älter und hatte eine relativ niedrige Rücklaufquote von 14,2 Prozent. Deshalb sollte sie nicht als aktuelle deutsche Gesamtbevölkerungszahl betrachtet werden.
Sie liefert aber einen wichtigen zusätzlichen Datenpunkt.
Der erste Sex passiert bei jungen Frauen häufig in einer Beziehung
Hier wird die Frage besonders interessant.
Viele Menschen stellen sich das erste Mal als spontane Begegnung oder als zufälliges sexuelles Erlebnis vor.
Die deutschen Daten zeichnen ein anderes Bild.
Die aktuelle Jugendsexualitätsstudie 2025 zeigt, dass bei den weiblichen Befragten 65 Prozent beim ersten Sex mit ihrem Partner bzw. ihrer Partnerin in einer festen Beziehung waren.
Weitere 25 Prozent kannten die Person gut.
Damit waren insgesamt etwa 90 Prozent entweder in einer festen Beziehung oder kannten die Person gut.
Nur ein kleinerer Anteil hatte den ersten Sex mit einer Person, die lediglich flüchtig bekannt war. (BVF)
Das ist wahrscheinlich eine der interessantesten Erkenntnisse für die Frage, wie lange Frauen Jungfrau bleiben.
Denn bei einem beträchtlichen Teil geht es offenbar nicht darum, möglichst früh Sex zu haben.
Vielmehr warten junge Frauen häufig auf eine Person, mit der bereits eine Beziehung oder zumindest eine enge Bekanntschaft besteht.
Warten Frauen auf den „richtigen“ Partner?
Die aktuellen deutschen Daten liefern hierfür einen deutlichen Hinweis.
Unter den Jugendlichen, die noch keine sexuellen Kontakte hatten, nannten 51 Prozent das Fehlen einer passenden Partnerin beziehungsweise eines passenden Partners als Grund.
Weitere häufig genannte Gründe waren unter anderem Schüchternheit und das Gefühl, noch zu jung zu sein. (BVF)
Das bedeutet:
Für einen erheblichen Teil der sexuell unerfahrenen Jugendlichen ist das Problem nicht grundsätzlich eine Ablehnung von Sexualität.
Vielmehr fehlt die Situation oder die Person, bei der sich der erste Geschlechtsverkehr richtig anfühlt.
Das ist ein wichtiger Unterschied.
Wie lange haben junge Frauen ihren Freund bereits, bevor sie Sex haben?
Hier wird es statistisch schwieriger.
Es gibt gute Daten darüber, ob beim ersten Sex eine feste Beziehung bestand.
Es gibt auch Daten darüber, wie lange bestehende Beziehungen junger Menschen dauern.
Was viel seltener veröffentlicht wird, ist die direkte Kombination:
„Wie lange war eine junge Frau bereits mit ihrem Freund zusammen, als sie zum ersten Mal mit ihm Geschlechtsverkehr hatte?“
Eine exakte aktuelle deutsche Prozentzahl dafür lässt sich aus den verfügbaren repräsentativen Daten nicht seriös ableiten.
Es gibt jedoch interessante Anhaltspunkte.
Wie lange dauern Beziehungen junger Menschen in Deutschland?
Eine Auswertung der 9. Welle der Jugendsexualitätsstudie untersuchte auch die Dauer bestehender Beziehungen.
Bei den 14- bis 25-Jährigen, die sich in einer festen Beziehung befanden, gaben 65 Prozent an, dass ihre Partnerschaft bereits mindestens ein Jahr bestand.
Bei den 18- bis 20-Jährigen lebten laut dieser Untersuchung 57 Prozent bereits länger als ein Jahr in einer festen Beziehung.
Mit zunehmendem Alter wurden langfristige Beziehungen häufiger. (sexualaufklaerung.de)
Das bedeutet jedoch nicht, dass 57 Prozent der Jungfrauen vor ihrem ersten Sex mindestens ein Jahr mit demselben Partner zusammen waren.
Das wäre eine unzulässige Schlussfolgerung.
Die Zahl beschreibt die Dauer bestehender Beziehungen, nicht die Dauer bis zum ersten Geschlechtsverkehr.
Was wir tatsächlich über Jungfrauen in Beziehungen sagen können
Die Forschung erlaubt trotzdem eine interessante Aussage:
Eine feste Beziehung und sexuelle Unerfahrenheit schließen sich keineswegs aus.
Eine junge Frau kann beispielsweise:
- einen Freund haben,
- mehrere Monate mit ihm zusammen sein,
- emotional eng mit ihm verbunden sein,
- aber noch keinen Geschlechtsverkehr haben.
Genau deshalb ist „Jungfrau“ nicht gleichbedeutend mit „Single“.
Das wird in öffentlichen Diskussionen häufig vergessen.
Eine Person kann vollkommen unerfahren sein und trotzdem bereits eine ernsthafte romantische Beziehung führen.
Das erste Mal muss nicht am Anfang einer Beziehung stattfinden
Die Daten sprechen außerdem gegen die Vorstellung, dass eine feste Beziehung automatisch sofort zu Sex führt.
Wenn junge Menschen einen Partner haben, können sie trotzdem unterschiedlich lange warten.
Gründe können sein:
- Vertrauen aufzubauen,
- emotionale Nähe zu entwickeln,
- Unsicherheit,
- persönliche Werte,
- religiöse Überzeugungen,
- Angst vor Schwangerschaft,
- gesundheitliche Überlegungen,
- fehlende Verhütung,
- unterschiedliche sexuelle Wünsche,
- Schüchternheit,
- persönliche Entscheidung.
Deshalb gibt es keine wissenschaftlich begründete „Standardwartezeit“.
Was sagen ältere deutsche Daten über das erste Mal?
Eine Analyse aus Deutschland zeigt ebenfalls, dass der erste Geschlechtsverkehr häufig mit einer festen Partnerschaft verbunden war.
Bereits ältere deutsche Untersuchungen fanden, dass Sexualität beim ersten Mal häufig innerhalb stabilerer Beziehungen stattfand.
Eine Studie zu Sexualität in Ostdeutschland berichtete beispielsweise, dass der erste Geschlechtsverkehr bei Frauen häufig in einer stabilen Partnerschaft stattfand. (PubMed)
Solche historischen Daten können allerdings nicht ohne Weiteres auf heutige junge Frauen übertragen werden.
Die Gesellschaft, Datingkultur und sexuelle Sozialisation haben sich seitdem verändert.
Die aktuelle Entwicklung ist besonders interessant
Wenn man die Entwicklung über die Zeit betrachtet, ergibt sich ein überraschendes Bild.
Viele Menschen nehmen an, dass junge Generationen automatisch immer früher Sex haben.
Die deutschen Daten zeigen aktuell das Gegenteil.
2019 hatten 61 Prozent der 17-Jährigen bereits heterosexuellen Sex.
2025 waren es nur noch 40 Prozent.
Auch bei den 19-Jährigen sank der Anteil von 75 Prozent auf 59 Prozent.
Bei den 23- bis 25-Jährigen sank er ebenfalls von etwa 89–90 Prozent auf rund 81–82 Prozent. (Springer)
Damit hat sich der Zeitpunkt des ersten Geschlechtsverkehrs in der jüngeren deutschen Bevölkerung zuletzt nach hinten verschoben.
Ist das typisch für ganz Europa?
Nein, Europa ist sexuell nicht homogen.
Untersuchungen in verschiedenen europäischen Ländern zeigen deutliche Unterschiede beim Alter des sexuellen Debüts.
Eine Studie mit jungen Erwachsenen im Alter von 18 bis 24 Jahren aus sieben europäischen Ländern – darunter Frankreich, Italien, die Niederlande, Polen, Irland, Tschechien und Russland – fand für Mädchen einen Median des sexuellen Debüts zwischen etwa 17 und 18 Jahren.
Bis zu 22 Prozent der jungen Frauen im Alter von 18 bis 24 Jahren hatten zum Zeitpunkt der Untersuchung noch keine sexuelle Erfahrung angegeben. (PubMed)
Das ist ein wichtiger europäischer Vergleich.
Er zeigt, dass die deutsche Situation nicht völlig außergewöhnlich ist.
Nordische Länder zeigen ebenfalls Unterschiede
Besonders große repräsentative Datensätze gibt es aus Skandinavien.
Eine Untersuchung mit mehr als 100.000 Frauen aus Dänemark, Norwegen und Schweden analysierte das Alter beim ersten Geschlechtsverkehr.
Der Median lag bei:
- 16 Jahren in Dänemark
- 17 Jahren in Norwegen
- 17 Jahren in Schweden
Die mittleren 50 Prozent der Werte lagen jeweils in relativ engen Bereichen um diese Werte. (PubMed)
Gleichzeitig zeigten die Daten Veränderungen zwischen Generationen.
Jüngere Geburtsjahrgänge berichteten in diesen Ländern teilweise niedrigere Alterswerte beim ersten Geschlechtsverkehr.
Damit wird deutlich:
Es gibt nicht das eine europäische Modell.
Osteuropa und Westeuropa unterscheiden sich ebenfalls
Eine europäische Studie mit Jugendlichen aus 17 Ländern untersuchte kulturelle Normen zum Alter beim ersten Geschlechtsverkehr.
Die Forscher fanden, dass gesellschaftliche Vorstellungen darüber, wann Sex „zu früh“ ist, mit dem tatsächlichen Zeitpunkt des sexuellen Debüts zusammenhängen können.
Höhere gesellschaftliche Altersnormen waren sowohl bei Mädchen als auch bei Jungen mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit für sehr frühen Geschlechtsverkehr verbunden. (PubMed)
Das zeigt:
Das Alter beim ersten Sex hängt nicht nur von individuellen Entscheidungen ab.
Auch gesellschaftliche Erwartungen können eine Rolle spielen.
In Europa gibt es weiterhin einen deutlichen Geschlechterunterschied
Eine aktuelle Analyse von 33 europäischen Ländern untersuchte sexuelle Initiation bei 15-Jährigen.
Die Daten aus 2010, 2014 und 2018 zeigen, dass Jungen häufiger als Mädchen angaben, bereits Geschlechtsverkehr gehabt zu haben.
Der Unterschied war in Ländern mit stärker traditionellen Geschlechterrollen und höherer Geschlechterungleichheit tendenziell größer. (PubMed)
Auch hier gilt:
Das bedeutet nicht, dass alle europäischen Mädchen später Sex haben.
Es bedeutet vielmehr, dass auf Bevölkerungsebene Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen bestehen können.
Warum warten manche Frauen länger?
Die Gründe sind individuell und lassen sich nicht auf einen einzigen Faktor reduzieren.
Der passende Partner fehlt
In der aktuellen deutschen Studie war dies der am häufigsten genannte Grund unter Jugendlichen ohne sexuelle Erfahrungen.
51 Prozent nannten das Fehlen einer passenden Person. (BVF)
Persönliche Reife
Manche junge Frauen fühlen sich mit 16 oder 17 schlicht noch nicht bereit.
Beziehungssicherheit
Für viele spielt Vertrauen eine Rolle.
Die deutschen Daten zeigen, dass der erste Sex bei jungen Frauen besonders häufig mit einem festen Partner verbunden ist. (BVF)
Angst vor Schwangerschaft
Schwangerschaft kann für junge Frauen eine wesentlich größere praktische Konsequenz haben als für junge Männer.
Verhütung
Auch die Verfügbarkeit und Sicherheit von Verhütungsmethoden kann eine Rolle spielen.
Religiöse oder kulturelle Werte
Religion und kulturelle Herkunft können sexuelle Einstellungen beeinflussen.
Schüchternheit
Nicht jeder junge Mensch findet leicht einen Partner.
Einfach keine Priorität
Manche Menschen interessieren sich in jungen Jahren weniger für Sexualität und konzentrieren sich stärker auf Schule, Ausbildung, Studium, Freundschaften oder andere Lebensbereiche.
Jungfrau sein und einen Freund haben: Wie häufig ist das?
Eine genaue aktuelle Prozentzahl für Deutschland ist schwierig zu nennen, weil repräsentative Studien normalerweise nicht einfach folgende vier Variablen miteinander kreuzen:
- Jungfräulichkeit
- aktueller Beziehungsstatus
- Dauer der Beziehung
- Alter
Es gibt jedoch starke Hinweise darauf, dass eine romantische Beziehung vor dem ersten Sex keineswegs ungewöhnlich ist.
Die aktuelle Jugendsexualitätsstudie zeigt, dass 65 Prozent der weiblichen Befragten beim ersten Sex in einer festen Beziehung waren und weitere 25 Prozent die Person gut kannten. (BVF)
Das bedeutet:
Für viele junge Frauen ist der erste Geschlechtsverkehr Teil einer bereits bestehenden persönlichen Beziehung.
Wie lange kann eine junge Frau Jungfrau bleiben und trotzdem eine Beziehung haben?
Theoretisch kann das sehr lange sein.
Eine Beziehung von:
- einigen Wochen,
- mehreren Monaten,
- einem Jahr,
- zwei Jahren
kann bestehen, ohne dass das Paar Geschlechtsverkehr hat.
Wissenschaftlich gibt es keine vorgeschriebene Dauer.
Die deutschen Daten zu Beziehungsdauer zeigen außerdem, dass langfristige Beziehungen unter jungen Erwachsenen keineswegs selten sind. In der 9. Welle der Jugendsexualitätsstudie gaben 65 Prozent der Befragten in festen Partnerschaften an, bereits mindestens ein Jahr zusammen zu sein. (sexualaufklaerung.de)
Daraus lässt sich allerdings nicht ableiten, dass 65 Prozent der Jungfrauen mindestens ein Jahr mit einem Freund zusammen sind.
Das wäre eine statistische Verwechslung.
Warum es schwierig ist, „Jungfrauen mit langfristigem Partner“ zu messen
Hier gibt es ein methodisches Problem.
Eine Studie kann beispielsweise fragen:
„Haben Sie derzeit einen festen Partner?“
Eine andere:
„Wie lange besteht Ihre aktuelle Beziehung?“
Eine dritte:
„Wann hatten Sie zum ersten Mal Geschlechtsverkehr?“
Wer alle drei Informationen zusammenführen möchte, benötigt eine entsprechende Datenauswertung.
Viele veröffentlichte Berichte stellen diese Kreuztabellen nicht bereit.
Deshalb sollte man bei konkreten Prozentzahlen vorsichtig sein.
Gerade im Internet werden Zahlen häufig miteinander kombiniert, obwohl sie aus unterschiedlichen Stichproben stammen.
Was passiert nach dem ersten Mal?
Der erste Geschlechtsverkehr bedeutet nicht automatisch, dass eine Frau danach zahlreiche weitere Sexualpartner haben wird.
Auch diese Vorstellung wird von der Forschung nicht gestützt.
Viele Menschen haben zunächst eine längere Beziehung mit ihrem ersten Sexualpartner.
Die deutsche Jugendsexualitätsforschung zeigt, dass der erste Sex häufig innerhalb einer festen Beziehung stattfindet. (Springer)
Das bedeutet, dass bei einem Teil der jungen Frauen der Übergang ungefähr so aussehen kann:
keine sexuelle Erfahrung → Kennenlernen → Beziehung → Vertrauen → erster Sex → weitere Beziehung
Das ist nur ein mögliches Muster, aber es ist mit den deutschen Daten vereinbar.
Haben Frauen nach dem ersten Mal häufig nur einen Partner?
Auch hier muss zwischen verschiedenen Zeiträumen unterschieden werden.
Eine deutsche Untersuchung junger Frauen im Alter von 20 bis 25 Jahren aus den Jahren 2010–2012 fand, dass 69,6 Prozent im vorhergehenden Jahr genau einen gegengeschlechtlichen Sexualpartner angegeben hatten. 73,5 Prozent lebten zu diesem Zeitpunkt in einer Beziehung. (DOI)
Diese Zahlen bedeuten nicht, dass 69,6 Prozent nur einen Sexualpartner im gesamten Leben hatten.
Sie beziehen sich auf die letzten zwölf Monate.
Das ist ein wichtiger Unterschied.
Die Zahl der Sexualpartner sagt wenig über Beziehungsqualität aus
Ein häufiger Fehler besteht darin, die Anzahl sexueller Partner mit Beziehungsfähigkeit gleichzusetzen.
Das ist wissenschaftlich nicht sinnvoll.
Eine Frau mit einem einzigen Sexualpartner kann eine kurze oder eine sehr lange Beziehung gehabt haben.
Eine Frau mit mehreren Partnern kann ebenfalls langfristige, stabile Beziehungen führen.
Sexuelle Partnerzahl und Dauer einer einzelnen Beziehung sind zwei unterschiedliche Variablen.
Was passiert mit der Sexualität in einer langen Beziehung?
Deutschland verfügt auch hierzu über interessante Forschung.
Eine Analyse des deutschen Family Panel (pairfam) untersuchte, wie sich sexuelle Aktivität mit der Dauer einer Beziehung verändert.
Die Studie fand, dass die Häufigkeit des Geschlechtsverkehrs relativ früh in einer Beziehung zurückging. Weder Zusammenziehen noch Heirat erklärten diesen Rückgang statistisch signifikant. Schwangerschaft und kleine Kinder reduzierten die sexuelle Aktivität zusätzlich, wobei sie später wieder zunehmen konnte. Auch die Beziehungsqualität spielte eine Rolle. (PubMed)
Eine weitere pairfam-Analyse mit 2.814 jungen und mittelalten Personen fand, dass die sexuelle Zufriedenheit zunächst im ersten Beziehungsjahr zunahm und danach allmählich zurückging. Die Autoren diskutierten unter anderem Lernprozesse zwischen Partnern, die später durch einen Rückgang der Leidenschaft überlagert werden können. (PubMed)
Diese Forschung beschäftigt sich zwar nicht speziell mit Jungfrauen.
Sie zeigt aber, dass eine Beziehung nach dem ersten Sex keineswegs automatisch einem einfachen Muster folgt.
Das erste Mal und langfristige Beziehungen
Ein besonders interessantes Ergebnis der deutschen Forschung lautet daher:
Der erste Geschlechtsverkehr und eine langfristige Beziehung sind häufig miteinander verbunden, aber nicht identisch.
Eine junge Frau kann:
A) zuerst eine Beziehung beginnen und später Sex haben.
B) Sex haben und danach eine Beziehung beginnen.
C) bereits länger mit jemandem zusammen sein und trotzdem weiter warten.
D) ihren ersten Sex mit einem Partner erleben und anschließend viele Jahre mit ihm zusammenbleiben.
E) ihren ersten Sex mit einem Partner erleben, dessen Beziehung später endet.
Die Forschung erlaubt nicht, für jede Frau eines dieser Modelle vorherzusagen.
Warum der „richtige Zeitpunkt“ wichtiger ist als ein bestimmtes Alter
Die aktuelle deutsche Studie liefert einen bemerkenswerten Hinweis:
65 Prozent der Befragten bewerteten den Zeitpunkt ihres ersten Sex als „gerade richtig“ – derselbe Anteil wie 2019. (BVF)
Das ist wesentlich aussagekräftiger als die Frage, ob 17, 18 oder 19 „das richtige Alter“ sei.
Denn der Zeitpunkt ist individuell.
Eine 17-Jährige kann sich bereit fühlen.
Eine andere 17-Jährige kann überhaupt kein Interesse daran haben.
Eine 20-Jährige kann bewusst warten.
Eine 24-Jährige kann ebenfalls noch keine sexuelle Erfahrung haben.
Keine dieser Situationen ist allein aufgrund des Alters ungewöhnlich oder automatisch problematisch.
Der Trend geht in Deutschland derzeit eher zu späterem Sex
Wenn man die aktuellen Daten zusammenfasst, ist die Entwicklung bemerkenswert.
Die junge Generation 2025 hatte im Vergleich zu 2019:
- weniger frühe sexuelle Erfahrungen,
- späteren ersten Geschlechtsverkehr,
- späteren ersten Kuss,
- einen höheren Anteil sexuell unerfahrener Jugendlicher,
- und gleichzeitig häufig einen geplanten ersten Geschlechtsverkehr in einer Beziehung.
Die BIÖG-Daten zeigen beispielsweise, dass nur 18 Prozent der 14- bis 17-Jährigen 2025 bereits Geschlechtsverkehr erlebt hatten, gegenüber 28 Prozent im Jahr 2019. (sexualaufklaerung.de)
Das widerspricht dem verbreiteten Bild, junge Menschen würden automatisch immer früher sexuell aktiv.
Was bedeutet das für die Frage „Wie lange bleiben Frauen Jungfrau?“
Die ehrlichste Antwort lautet:
Es gibt kein durchschnittliches Alter, bei dem alle Frauen ihre Jungfräulichkeit verlieren.
Für Deutschland zeigen aktuelle Daten vielmehr einen Übergang über mehrere Jahre.
Mit 17 ist ein großer Teil noch unerfahren.
Mit 19 hat die Mehrheit erste heterosexuelle Erfahrungen gemacht, aber ein erheblicher Teil noch nicht.
Mit 23 bis 25 sind rund vier von fünf jungen Erwachsenen sexuell erfahren, während weiterhin eine Minderheit keine heterosexuelle Erfahrung angegeben hat. (Springer)
Ältere deutsche Daten zeigen zusätzlich, dass bis zum Alter von 30 nur noch ungefähr 4 Prozent der Frauen keinen Geschlechtsverkehr angegeben hatten. (PMC)
Deutschland und Europa im Vergleich
Ein grober Überblick sieht folgendermaßen aus:
| Region / Studie | Zentrales Ergebnis |
|---|---|
| Deutschland, BIÖG 2025 | 40 % der 17-Jährigen hatten heterosexuellen Sex; 59 % der 19-Jährigen; 81–82 % der 23–25-Jährigen |
| Deutschland, KiGGS 2014–2017 | 61 % der Mädchen/Frauen hatten ersten Geschlechtsverkehr vor 18 |
| Deutschland, junge Frauen 2010–2012 | 95,4 % der 20–25-Jährigen hatten bereits Geschlechtsverkehr |
| Europa, 7 Länder | Median des sexuellen Debüts bei Mädchen etwa 17–18 Jahre |
| Dänemark | Median 16 Jahre |
| Norwegen | Median 17 Jahre |
| Schweden | Median 17 Jahre |
Die Studien stammen aus unterschiedlichen Jahren und verwenden unterschiedliche Methoden. Deshalb handelt es sich nicht um eine Rangliste europäischer Länder, sondern um verschiedene wissenschaftliche Messungen aus unterschiedlichen Zeitpunkten. (PubMed)
Was ist mit Frauen, die bis 25 Jungfrau bleiben?
Sie sind eine Minderheit, aber keine statistische Kuriosität.
Die aktuellen deutschen Daten zeigen, dass etwa 18 bis 19 Prozent der 23- bis 25-Jährigen noch keinen heterosexuellen Sex angegeben haben. (Springer)
Dabei muss man wiederum zwischen „keinen heterosexuellen Sex gehabt“ und „Jungfrau nach jeder möglichen Definition“ unterscheiden.
Menschen können unterschiedliche sexuelle Erfahrungen und Orientierungen haben.
Dennoch zeigen die Zahlen eindeutig:
Auch mit 25 ist sexuelle Unerfahrenheit nicht völlig verschwunden.
Und wie viele dieser Frauen haben trotzdem einen Freund?
Hier liegt die wichtigste Datenlücke.
Die vorhandenen repräsentativen Studien zeigen sehr deutlich:
- Viele junge Frauen haben ihren ersten Sex in einer festen Beziehung.
- Viele junge Menschen befinden sich bereits vor dem ersten Sex in Beziehungen.
- Junge Beziehungen dauern häufig länger als nur einige Wochen.
- Ein erheblicher Anteil der jungen Menschen wartet auf eine passende Person.
Was die Forschung nicht zuverlässig liefert, ist eine aktuelle Zahl wie:
„X Prozent aller Jungfrauen zwischen 18 und 25 Jahren haben einen Freund, mit dem sie bereits länger als ein Jahr zusammen sind.“
Eine solche Zahl sollte man nicht erfinden.
Die vorhandenen Daten erlauben nur die Aussage, dass sexuelle Unerfahrenheit und eine feste romantische Beziehung häufig gleichzeitig vorkommen können und dass der erste Sex bei jungen Frauen überwiegend mit einem festen oder gut bekannten Partner stattfindet. (BVF)
Warum persönliche Wahrnehmungen oft falsch liegen
Ein 20-jähriger Mann kann beispielsweise glauben:
„Mit 20 hatte doch fast jede Frau schon Sex.“
Wenn sein Freundeskreis sehr sexuell aktiv ist, erscheint ihm diese Annahme vollkommen logisch.
Die Bevölkerungsdaten zeigen jedoch ein wesentlich differenzierteres Bild.
In der deutschen KiGGS-Untersuchung hatte ungefähr jede fünfte Person mit 20 noch keinen Geschlechtsverkehr. (PMC)
Und die aktuelle BIÖG-Studie zeigt zusätzlich, dass sich der Beginn sexueller Erfahrungen bei jungen Menschen zuletzt nach hinten verschoben hat. (Springer)
Der eigene Freundeskreis ist daher kein zuverlässiges Abbild der Gesamtbevölkerung.
Warum die ersten sexuellen Erfahrungen heute später stattfinden könnten
Die Forschung kann nicht mit einer einzigen Ursache erklären, warum sich das sexuelle Debüt in Deutschland zuletzt verschoben hat.
Mögliche Faktoren werden in der Forschung und öffentlichen Diskussion unter anderem im Zusammenhang mit gesellschaftlichen Veränderungen, Datingverhalten, Digitalisierung, Bildungswegen, Lebensplanung und veränderten sozialen Normen betrachtet.
Die aktuelle Studie selbst zeigt zunächst vor allem das Phänomen, nicht eine einzelne Ursache dafür.
Deshalb sollte man vorsichtig sein mit Aussagen wie:
„Social Media ist schuld.“
oder:
„Junge Menschen wollen heute keine Beziehungen mehr.“
Dafür liefern die aktuellen Daten keine einfache Grundlage.
Die Bedeutung einer festen Beziehung beim ersten Mal
Eine der robustesten Aussagen der aktuellen deutschen Jugendsexualitätsforschung lautet:
Der erste Geschlechtsverkehr findet häufig innerhalb einer Beziehung statt.
Bei den weiblichen Befragten waren 65 Prozent beim ersten Sex in einer festen Beziehung und weitere 25 Prozent kannten die Person gut. (BVF)
Damit wird ein wichtiges Muster sichtbar.
Das erste Mal ist für viele junge Frauen offenbar nicht einfach eine zufällige sexuelle Begegnung.
Vielmehr findet es häufig in einem sozialen und emotionalen Kontext statt, in dem sich die beiden Personen bereits kennen.
Ist eine lange Beziehung vor dem ersten Sex typisch?
Die Forschung erlaubt hier keine exakte allgemeine Zahl.
Aber sie zeigt, dass langfristige Beziehungen unter jungen Erwachsenen häufig vorkommen.
In der 9. Welle der deutschen Jugendsexualitätsstudie gaben zwei Drittel der Jugendlichen und jungen Erwachsenen in festen Partnerschaften an, bereits mindestens ein Jahr zusammen zu sein. Bei den 18- bis 20-Jährigen waren es 57 Prozent. (sexualaufklaerung.de)
Das bedeutet:
Eine Beziehung von mehreren Monaten oder mehr als einem Jahr ist unter jungen Menschen keineswegs ungewöhnlich.
Ob der erste Sex aber nach zwei Wochen, sechs Monaten oder einem Jahr stattfindet, hängt von den jeweiligen Personen ab.
Jungfräulichkeit ist deshalb häufig eine Frage des individuellen Lebensverlaufs
Die Statistik zeigt Durchschnittswerte.
Das Leben einzelner Frauen kann aber vollkommen anders aussehen.
Eine Frau kann mit 16 ihren ersten Freund haben und mit 17 Sex.
Eine andere kann mit 19 ihre erste Beziehung beginnen und erst später Sex haben.
Eine dritte kann mit 23 zum ersten Mal eine langfristige Partnerschaft eingehen.
Eine vierte kann bewusst bis zur Ehe warten.
Eine fünfte kann überhaupt kein Interesse an einer sexuellen Beziehung haben.
Diese verschiedenen Lebenswege sind statistisch miteinander vereinbar.
Was sagen die europäischen Daten über das „normale“ Alter?
Wenn man Deutschland und die verfügbaren europäischen Studien zusammen betrachtet, liegt der typische Zeitraum des sexuellen Debüts bei jungen Menschen grob im späteren Teenageralter.
Aber die Streuung ist groß.
Studien aus sieben europäischen Ländern fanden bei Mädchen einen Median zwischen 17 und 18 Jahren. (PubMed)
Die großen skandinavischen Untersuchungen fanden Medianwerte zwischen 16 und 17 Jahren. (PubMed)
Die aktuellen deutschen Daten zeigen gleichzeitig, dass das sexuelle Debüt bei der jüngeren Generation zuletzt später stattfindet. (Springer)
Damit wäre die wissenschaftlich korrekte Aussage:
Das späte Teenageralter ist in vielen europäischen Studien ein häufiger Zeitraum für den ersten Geschlechtsverkehr, aber eine erhebliche Minderheit wartet bis in die frühen oder mittleren Zwanziger.
Was bedeutet „zu spät“?
Statistisch gesehen gibt es keinen medizinisch festgelegten Zeitpunkt, an dem eine Frau „zu spät“ Jungfrau ist.
Die Tatsache, dass jemand mit 20, 22 oder 25 noch keinen Geschlechtsverkehr hatte, ist für sich genommen keine Krankheit und kein Beweis für ein Problem.
Auch die aktuelle deutsche Jugendsexualitätsstudie zeigt, dass ein erheblicher Teil junger Menschen länger wartet. (Springer)
Das Alter ist deshalb eher eine statistische Variable als eine persönliche Bewertung.
Fazit: Wie lange bleiben Frauen in Deutschland durchschnittlich Jungfrau?
Die aktuellsten deutschen Daten zeigen einen klaren Trend:
Junge Menschen beginnen heute tendenziell später mit dem Geschlechtsverkehr als noch vor einigen Jahren.
2025 hatten nur 40 Prozent der 17-Jährigen heterosexuellen Sex erlebt. Bei den 19-Jährigen waren es 59 Prozent und bei den 23- bis 25-Jährigen etwa 81 bis 82 Prozent. (Springer)
Das bedeutet:
- Mit 17 ist es sehr normal, noch Jungfrau bzw. sexuell unerfahren zu sein.
- Mit 18 hat ein erheblicher Anteil noch keine Erfahrung.
- Mit 19 hat bereits die Mehrheit Erfahrung, aber rund 4 von 10 noch nicht.
- Mit 20 bis 22 nimmt der Anteil der sexuell Erfahrenen weiter zu.
- Mit 23 bis 25 haben etwa vier von fünf jungen Menschen heterosexuelle sexuelle Erfahrungen angegeben.
- Auch danach existiert eine Minderheit ohne entsprechende Erfahrung.
Besonders interessant ist jedoch nicht nur wann Frauen ihren ersten Sex haben, sondern unter welchen Umständen.
Die aktuellen deutschen Daten zeigen, dass bei weiblichen Befragten 65 Prozent beim ersten Sex in einer festen Beziehung waren und weitere 25 Prozent die Person gut kannten. (BVF)
Das bedeutet, dass für viele junge Frauen der erste Geschlechtsverkehr nicht einfach ein zufälliges Ereignis ist. Häufig besteht bereits eine Beziehung oder zumindest eine enge Bekanntschaft.
Auch die Gründe für sexuelle Zurückhaltung sprechen dafür: Unter Jugendlichen ohne sexuelle Erfahrungen gaben 51 Prozent an, dass bislang die passende Person gefehlt habe. (BVF)
Was die Forschung dagegen nicht zuverlässig beantwortet, ist die genaue Frage, wie viele Jungfrauen bereits einen Freund haben und wie lange sie mit ihm zusammen sind. Hier fehlen aktuelle repräsentative Kreuztabellen, die Jungfräulichkeit, Beziehungsstatus und Beziehungsdauer gleichzeitig erfassen.
Die vorhandenen Daten zeigen aber deutlich, dass Jungfrau sein und gleichzeitig eine feste Beziehung haben keineswegs widersprüchlich sind.
Eine junge Frau kann mehrere Monate oder sogar länger mit einem Partner zusammen sein, bevor sie sich für den ersten Geschlechtsverkehr entscheidet. Die deutsche Forschung zeigt gleichzeitig, dass längere feste Beziehungen bei jungen Erwachsenen häufig vorkommen.
Der vielleicht wichtigste Punkt ist deshalb:
Es gibt kein universelles Alter, in dem eine Frau „normalerweise“ ihre Jungfräulichkeit verliert.
Die Statistik zeigt einen typischen Zeitraum – ungefähr das spätere Teenageralter –, aber individuelle Lebenswege reichen deutlich darüber hinaus. Deutschland erlebt derzeit sogar eine Verschiebung hin zu einem späteren sexuellen Debüt.
Und wer verstehen möchte, wann junge Frauen ihren ersten Sex haben, sollte deshalb nicht nur nach dem Alter fragen. Ebenso wichtig sind Beziehung, Vertrauen, persönliche Bereitschaft, kulturelle Werte und die Frage, ob überhaupt der Partner vorhanden ist, mit dem sich die Person diesen Schritt vorstellen kann.
Wissenschaftliche Quellen und Studien
BIÖG – Jugendsexualität 10. Welle (Erhebung 2025): Repräsentative deutsche Untersuchung mit 5.855 Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Die aktuellen Ergebnisse zeigen einen späteren Beginn sexueller Erfahrungen und einen häufigen Zusammenhang zwischen erstem Sex und fester Beziehung. (Springer)
Robert Koch-Institut – KiGGS Wave 2: Untersuchung des Sexual- und Verhütungsverhaltens junger Menschen in Deutschland. 61 Prozent der Mädchen und jungen Frauen berichteten einen ersten Geschlechtsverkehr vor dem 18. Geburtstag; etwa ein Fünftel hatte bis zum Alter von 20 noch keinen Geschlechtsverkehr angegeben. (PMC)
Scharmanski et al., Bundesgesundheitsblatt: Auswertung der deutschen Jugendsexualitätsstudie zur ersten sexuellen Erfahrung und zu Beziehungen. Die Untersuchung zeigt unter anderem, dass der erste Intimkontakt häufig in einer festen Beziehung oder mit einer gut bekannten Person stattfindet und dass ein großer Teil bestehender junger Beziehungen mindestens ein Jahr dauert. (sexualaufklaerung.de)
Deutsche Studie zu jungen Frauen und sexuellem Debüt: Untersuchung von 823 Frauen im Alter von 20 bis 25 Jahren in Deutschland. 95,4 Prozent hatten zum Befragungszeitpunkt bereits Geschlechtsverkehr; 70 Prozent hatten ihr erstes Mal vor dem 18. Geburtstag. (PMC)
Europäische Vergleichsstudie: Untersuchung junger Erwachsener aus sieben europäischen Ländern. Der Median des sexuellen Debüts lag bei Mädchen je nach Land ungefähr zwischen 17 und 18 Jahren; bis zu 22 Prozent der jungen Frauen zwischen 18 und 24 Jahren hatten noch keine sexuelle Erfahrung. (PubMed)
Skandinavische Studie mit mehr als 100.000 Frauen: Repräsentative Daten aus Dänemark, Norwegen und Schweden zeigten Medianwerte beim ersten Geschlechtsverkehr von 16 Jahren in Dänemark und jeweils 17 Jahren in Norwegen und Schweden. (PubMed)
Deutsche pairfam-Forschung: Untersuchungen zur Beziehungslänge und Sexualität zeigen, dass sexuelle Aktivität und sexuelle Zufriedenheit sich im Verlauf von Partnerschaften verändern und dass die Dauer einer Beziehung ein relevanter Faktor für sexuelle Dynamiken ist. (PubMed)
Wichtiger methodischer Hinweis: Die hier genannten Studien stammen aus unterschiedlichen Jahren, verwenden unterschiedliche Definitionen und untersuchen teilweise unterschiedliche Altersgruppen. Insbesondere die aktuelle BIÖG-Studie weist bei ihren Altersangaben teilweise heterosexuellen Geschlechtsverkehr separat aus. Deshalb dürfen diese Zahlen nicht einfach als identische „Jungfräulichkeitsquoten“ miteinander verrechnet werden.